Lippendorf zwei 800-Megawatt-Kraftwerke bauen. Der dort erzeugte Strom sollte, so sahen es die ursprünglichen Pläne der Amerikaner vor, nach Osteneich und in die Schweiz exportiert werden.

Den westdeutschen Stromkonzernen, die in Bonn über eine traditionell starke Lobby verfügen, waren die Aktivitäten von NRG Energy natürlich nicht verborgen geblieben. Sie reagierten prompt und signalisierten der Treuhand auf einmal Verhandlungsbereitschaft in Sachen Mibrag.

Öffentlich wurde die plötzliche Kehrtwende erst Ende Juli, als der Chef des Bayernwerkes, Jochen Holzer, vor Journalisten in Bonn die neuen Pläne der Konzerne erläuterte. Jetzt boten die West-EVU ihrerseits an, in Lippendorf "unverzüglich" zwei 800-Megawatt-Blöcke zu bauen. Das eine Kraftwerk könne, so Holzer, ein Konsortium von Bayernwerk, Energie-Versorgung Schwaben (EVS) und Badenwerk errichten. Den zweiten Block solle die Veag hochziehen. Damit und mit einem ohnehin geplanten Kraftwerk zur Versorgung der Chemiefirma Buna in Schkopau böte sich den südsächsischen Tagebauen in Schleenhain und Profen "eine langfristige Überlebensbasis". Das mag wohl sein. Doch der abrupte Sinneswandel kommt unter Umständen zu spät. Mit ihrer lange Zeit unbeugsamen Haltung haben die West-EVU Geister gerufen, die sie nur schwer wieder loswerden: "Die haben jetzt ein politisches Problem", stellt Manfred Raschke, Unternehmensberater aus Boston, mit einer gewissen Genugtuung fest. Raschke reist im Auftrag von NRG Energy regelmäßig durch Deutschland, um das schwierige Geschäftsfeld zu erkunden.

Die Amerikaner wollen auch nach dem Einlenken der deutschen Konzerne in keinem Fall lockerlassen. Vom ursprünglich geplanten Alleingang in Südsachsen sind sie allerdings abgekommen: "Wir wollen die deutsche Elektrizitätswirtschaft als Partner", sagt Manfred Raschke, der bereits mit Bayernwerk-Chef Jochen Holzer über eine mögliche Beteiligung von NRG Energy an Tagebauen und Kraftwerken im Mibrag-Revier verhandelt.

Holzer und den Bossen der übrigen West-EVU bleibt nichts anderes übrig, als gute Miene zum für sie bösen Spiel zu machen. Sie haben sich mit ihrer unverständlich starrsinnigen Haltung völlig vergaloppiert und können jetzt die Amerikaner nicht mehr so einfach abblocken.

Auch innerhalb des westdeutschen Stromkartells spielen sich derzeit Grabenkämpfe ab. Hatten bislang nur die drei Marktführer RWE, PreussenElektra und Bayernwerk Interesse an der ostdeutschen Braunkohle bekundet, so stehen nunmehr auch die fünf kleineren Veag-Partner EVS, Badenwerk, Berliner Kraft- und Licht (Bewag)-Aktiengesellschaft, Hamburgische Electricitäts-Werke (HEW) sowie Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW) auf der Matte. Laut EVS-Sprecherin Brigitte Möck wollen sie sich ebenfalls "an der Laubag beteiligen und haben sich deswegen bereits an die Treuhand gewandt".

Überraschen kann dieser Vorstoß nicht. Denn mit unterschiedlichen Beteiligungsverhältnissen in der Veag einerseits und der Braunkohle andererseits wäre über kurz oder lang Krach zwischen kleinen und großen EVU programmiert. Der Grund: Als Alleingesellschafter der Laubag und Mibrag müßten RWE, PreussenElektra und Bayernwerk an möglichst hohen Braunkohlepreisen interessiert sein. Damit würden sie zwar in den Veag-Großkraftwerken entsprechend weniger verdienen, das Nachsehen hätten aber allein die kleineren West-EVU, denen hohe Kohlepreise in jedem Fall schaden würden. Den drei Großen kann es dagegen egal sein, ob sie ihre Profite in der Braunkohleförderung oder in der Stromerzeugung machen.