old und Silber", heißt es seit 160 Jahren im Studentenlied, "lieb’ ich sehr – kann’s auch gut gebrauchen." Wirklich gebrauchen können Gold aber nur Zahnärzte und Elektronikbetriebe. Dennoch meinen auch Anleger immer wieder, es sei sinnvoll, einen Teil des Vermögens in Gold anzulegen, obwohl Gold keine Zinsen abwirft. Nach dem jüngsten Rückgang des Goldpreises auf unter 340 Dollar ist das Interesse an dem edlen Metall noch gestiegen.

Richtig ist, daß Gold nicht nur wegen seines Glanzes gefällt. Gold ist vor allem leicht zu bearbeiten und, noch wichtiger, es trotzt den meisten chemischen Einflüssen. Dieser "bleibende Wert" des Goldes ist bis heute das wichtigste Verkaufsargument – nicht nur, wenn es um Geldanlage geht, sondern auch im Geschäft mit Schmuck und Münzen, den klassischen Goldprodukten. Außerdem ist Gold über alle. Grenzen hinweg beweglich.

An diesen Vorzügen hat sich bis heute nichts Wesentliches geändert. Aber das Umfeld des Goldes hat sich gewandelt. In den führenden Wirtschaftsnationen der Welt wird weitgehend eine Politik des stabilen Geldes betrieben. Gesunde Volkswirtschaften, die nicht über ihre Verhältnisse leben, keine negativen Zahlungsbilanzen haben, aber dem internationalen Handel harte Währungen zur Verfügung stellen, haben den Goldstandard der Währungen verdrängt. Zwischen Dollar, Yen und der international immer bedeutenderen D-Mark gibt es kein gesetzlich fixiertes Austauschverhältnis zum Gold mehr. 1968 haben die Vereinigten Staaten die Golddeckungspflicht von 25 Prozent für ihre Banknoten aufgegeben. Das Wachstum der Weltwirtschaft war nun nicht mehr von der Goldproduktion abhängig, auch nicht mehr von Goldlieferungen aus Südafrika und aus der Sowjetunion. Gold wurde nicht mehr benötigt, um über den Umweg des Goldstandards Wachstum zu finanzieren.

Seitdem ist Gold zu einem Rohstoff wie andere Metalle auch geworden. Weil Gold aber unvergänglich ist, gibt es davon eher zuviel auf der Welt. Und immer neues Gold kommt hinzu. Der angeblich langfristig stabile Wert ist Folge einer ungewöhnlich nachhaltigen Massenpsychose, die schon im vierten Jahrtausend vor Christus Goldsucher auf dem indischen Subkontinent berauscht hat. Der Goldwert beruht zum großen Teil auf der weltweit verbreiteten Überzeugung, daß Gold etwas wert sei, daß eine Goldreserve den meisten Wechselfällen des Lebens trotze und deshalb nur in Krisensituationen versilbert werden solle. Aber sollten jemals größere Goldvorräte gleichzeitig auf den Markt kommen, wäre es aus mit dieser Fiktion.

Ein Marktwert für Gold wird erst seit Mitte der siebziger Jahre ermittelt. Zuvor waren alle Goldeinlösungspflichten für Banknoten suspendiert worden und der Internationale Währungsfonds hatte den offiziellen Goldpreis abgeschafft. Danach war der Goldpreis zunächst gestiegen – bis auf 850 Dollar. Später pendelte sich die Feinunze aber bei 350 Dollar ein, mit Ausschlägen zwischen 280 und etwas mehr als 500 Dollar. Seit 1987 geht es nahezu kontinuierlich bergab. Goldhaussiers beziehen daraus ihren Optimismus: Der Tiefpunkt müsse bald erreicht sein, es lohne wieder, Gold zu kaufen.

Für deutsche Anleger hat die Geldanlage in Gold noch einige zusätzliche Tücken. Zum einen wird Gold in Dollar gehandelt. Die Wechselkursschwankungen zwischen D-Mark und Dollar schlagen deshalb voll auf den Goldpreis durch. Obwohl der Goldpreis Ende vergangenen Jahres gestiegen ist, verdiente der DM-Anleger zum Beispiel wegen des gleichzeitig geschwächten Dollar keinen Pfennig. Außerdem sind in Deutschland beim Goldkauf vierzehn und bald sogar fünfzehn Prozent Mehrwertsteuer fällig. Die meisten Banken bieten daher Depots in Luxemburg oder in der Schweiz an. Die Gebühren betragen bis zu fünf Prozent des Anlagewertes, wobei ein Zertifikat in der Regel über mindestens 20 000 Mark lauten sollte.

Wer Goldbarren oder Münzen gern im eigenen Schrank haben möchte, kann sie in kleinen Portionen (bis etwa 1,8 Unzen) umsatzsteuerfrei einführen. Aber der physische Besitz von Gold scheint aus der Mode gekommen zu sein. Interessiert sind meist nur noch ältere Menschen, bei denen die Erinnerung an den Ruin in den Inflationsjahren nach den Weltkriegen noch festsitzt. Doch heute führen Krisen kaum noch zu einer Goldhausse, wie 1990 nach der Invasion in Kuwait zu beobachten war. In Erwartung steigender Ölpreise zog der Goldkurs zwar kurzfristig an, brach jedoch schon nach wenigen Tagen wieder ein.