Der Krähe ist die Fünf zu hoch. Das belegte der Zahlenhistoriker Tobias Dantzig mit der Erfahrung eines britischen Edelmanns. Auf dessen Grundstück stand ein Turm, in dem sich eine Krähe eingenistet hatte. Dies gefiel dem Gentleman nicht, weshalb er das Tier fangen wollte. Doch jedesmal, wenn er unten seinen Turm betrat, flog der Vogel oben heraus, setzte sich auf einen Baum und kam erst zurück, nachdem der Brite das Gemäuer wieder verlassen hatte. Also beschloß er, die Krähe zu überlisten. Deshalb begab er sich zusammen mit einem Freund in den Turm. Das Tier flog auf seinen Baum. Nach einer Weile verließ allein der Freund den Turm. Doch die Krähe ließ sich nicht beirren; sie blieb geduldig sitzen, bis auch der Besitzer heraustrat. Mit drei und vier Personen war der Vogel ebenfalls nicht zu täuschen. Die Krähe wartete stets, bis alle wieder draußen waren. Erst als fünf Männer den Turm besuchten, aber nur vier wieder erschienen, verzählte sich das Tier und flog heim – das war sein Pech.

Beim Menschen ruft die Fünf eher positive Empfindungen hervor. Als heilige Zahl wurde sie in so verschiedenen Regionen wie China, Indien und Griechenland verehrt. Die Bibel ist voller Fünfen: Da geht’s um fünf Ochsen, Widder und Lämmer, um fünf Silberlinge, Könige und goldene Mäuse, um fünf törichte und fünf kluge Jungfrauen...

Für die Pythagoreer war Fünf die Zahl der Ehe. Denn 5 = 2 + 3 ist die erste Summe aus einer weiblichen – geraden – und einer männlichen – ungeraden – Zahl (Eins zählte nicht als Zahl). Sinnbild der Fünf war das Pentagramm, der fünfzackige Stern, der sich in einem Zug zeichnen läßt. Seine fünf Strecken schneiden einander so, daß die dabei entstehenden Teilstrecken ein "stetiges" Längenverhältnis zueinander haben: Der größere Abschnitt verhält sich zur ganzen Strecke, wie der kleinere zum größeren Abschnitt. Das ist der "Goldene Schnitt", der Pythagoras in Verzückung versetzte.

Als Drudenfuß diente das Pentagramm im Mittelalter der Abwehr von Hexen (Druden). Mephisto mußte der Ratte befehlen, eine Spitze dieses Sterns abzunagen, damit er die Bewegungsfreiheit des Teufels nicht weiter einengte.

Wir Heutigen genießen den Fünfuhrtee, bewundern bei den mit fünf Ringen symbolisierten Olympischen Spielen den Fünfkampf, sind ungern das fünfte Rad am Wagen, fürchten die Fünfte Kolonne und lassen, obwohl wir alle fünf Sinne beisammen haben, manchmal fünf gerade sein.

Piaton entdeckte, daß es nur fünf Körper geben kann, die von regelmäßigen, gleich großen Vielecken begrenzt sind und an deren Ecken dieselbe Anzahl von Kanten zusammenstößt, wie zum Beispiel beim Würfel oder bei der Dreieckspyramide. Kosmisch nannte er sie – wir haben sie ihm zu Ehren "platonische Körper" getauft.

Fünf ist Primzahl, und da zwischen ihr und der nächst niedrigen Primzahl, der Drei, nur eine (selbstverständlich gerade) Zahl liegt, bilden 3 und 5 ein Primzahlzwillingspaar. Andere sind 5 und 7, 11 und 13, 17 und 19; der Rekord liegt zur Zeit bei 224 376 047 und 224 376 049. Seit über zweitausend Jahren wissen wir, daß es unendlich viele Primzahlen gibt; ob aber auch die Anzahl der Primzahlzwillinge unendlich ist, weiß bis heute niemand. Trotzdem ist es möglich, eine präzise Aussage über alle Primzahlzwillinge zu machen. (Zur Erklärung: Kehrwert einer Zahl p ist der Bruch 1/p.) Der Mathematiker Viggo Brun bewies nun vor 72 Jahren: Würde jemand die Kehrwerte sämtlicher Primzahlzwillinge zusammenzählen – das begänne mit 1/3 + 1/5 + 1/7 + 1/11 und hörte vielleicht nie auf – so ergäbe sich die Summe 1,90216054 ... Das kommt selbst Mathematikern ziemlich komisch vor, weshalb der völlig korrekte Beweis auch als "Brunscher Witz" in die mathematische Literatur eingegangen ist.