Mit Walz auf der Walz – das ist zwar ein guter Werbespruch, aber keine treffende Charakterisierung der Wanderführer aus dem Walz-Verlag. Statt ungebundener "Heute hier, morgen da"-Romantik wartet auf den Wanderer ein "fast penetrant" (Autor Rudolf Walz) metergenau verplantes Programm. Selbst ein Kurzprotokoll mit den einzutragenden Zeiten für "Aufbruch" oder "Mittagsrast von... bis" fehlt nicht.

So viel fürsorgliches An-die-Hand-Nehmen hat einen besonderen Grund: Die Walz-Führer decken nicht mit vielen Vorschlägen oder Varianten ein Gebiet ab, sondern beschreiben eine mehrtägige Streckenwanderung unter dem Motto: "Wandern ohne Gepäck". Dadurch kommen als Tagesziele nur die Gasthöfe in Frage, die das Gepäck weitertransportieren, und die Etappen sind genau festgelegt.

Rudolf Walz geht es in der Regel gemächlich an: Fünf Stunden Wanderzeit im Schnitt lassen genug Gelegenheit für geruhsame Pausen, die man sich besonders auf dem steigungsreichen Schwarzwald-Uhrenträgerweg (mehr Touristikidee als historische Rekonstruktion) verdient hat, und für ausgedehnte Besichtigungen, die vor allem an der Donauseite der Schwäbischen Alb in den vielen Klöstern, Kirchen und Burgen möglich sind.

Die Wegbeschreibungen sind sehr genau, Wegskizzen informieren zusätzlich. Man merkt immer wieder, daß Rudolf Walz selber auf den Etappen unterwegs war. Er hat einen aufmerksamen Blick für die Details am Wegrand, gibt Tips für Abstecher, zum Beispiel zu einem Bauerngarten mit 400jähriger Linde oder in den Stall mit den computergefütterten Kühen. Der Autor findet Zeit, sich über Straßennamen auszulassen und erzählt von kommunalpolitischen Dauerbrennern.

Auf manches Geschwätz könnte man aber getrost verzichten. Beispielsweise wenn zum Gefecht per Wanderstock (in die Speichen der "modernen Heuschreckenplage" Radfahrer) gerufen oder einem Schwarzwaldhof geraten wird, "einen Schrotthändler zu bestellen und die heillose Unordnung zu beseitigen". Besser wäre statt dessen eine ausführlichere Beschreibung des Barockmünsters Zwiefalten. Da werden nur mal eben zwei läppische Sätze über das Kircheninnere einer der bedeutendsten Leistungen des Rokokos verloren. Wolfgang Albers

  • Rudolf Walz:

Auf dem Weg der Uhrenträger. Wandern ohne