Wußten Sie, daß Trennungsschmerz und Liebeskummer von der Kasse nicht als Krankheit anerkannt werden? Wußten Sie auch, daß Männer Frauen für schwanzlose Ungeheuer halten und daß Frauen ohne Slip Männern immer überlegen sind? Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, daß es für Frauen über Dreißig in New York wahrscheinlicher ist, von einem Terroristen erschossen zu werden, als einen Mann zu finden? Falls Ihnen das alles neu ist, müssen Sie unbedingt eine Therapie bei Karla machen.

Karla ist Expertin: Sie war elfmal verheiratet. Im Moment sitzt sie im Garten ihrer Berliner Villa im Kreise mit Eva, Charlotte, Mascha und Gudrun und referiert Stichworte zum Thema der heutigen Sitzung: die Entmystifizierung des männlichen Geschlechtsteils. Die eine assoziiert Leberwurst, die andere Buntstifte, und Karla merkt an, daß sogar der Kanzler "es" hat. Fröhliches Gelächter der Frauenrunde.

Drei Jahre hat Robert van Ackeren an der "Wahren Geschichte von Männern und Frauen" gearbeitet, seinem opus summum nach "Deutschland privat", der "Flambierten Frau" und der "Venusfalle", dem der Ruf vorauseilte, der Regisseur betreibe Stilbruch in eigener Sache. Diesmal werfe er keinen unterkühltdistanzierten Blick auf Frauenpower, Männerphantasie und den Stellungskrieg im Duell der Geschlechter, diesmal werde es wahrlich heiter: eine radikale Komödie in Sachen Sex, made in Germany. Es komme eine Premiere, ja eine Sensation und in jedem Fall ein Schock.

Folgten Gerüchte, Klatsch, Skandale. Kaum hingen die ersten Plakate (Sonja Kirchberger auf nacktem Mann), munkelte die Fachwelt über den wegretuschierten Slip des Unterlegenen, und vor der Uraufführung beim Münchener Filmfest verlautete aus gut informierten Kreisen, Thomas Heinze, der männliche Hauptdarsteller, habe sich geweigert, mit seinem wertvollsten Körperteil Klavier zu spielen. Die Szene sei gedoubelt. Aber was müssen wir sehen? Nichts! Heinzes Double zeigt sich nur von hinten und ordentlich bekleidet. Sonja Kirchberger spricht zwar immer noch mit erotisch sanfter Stimme und trägt sexy Dessous, aber ansonsten hat sie sich ihre ordinären Manieren abgewöhnt. Selbst die in der "Venusfalle" noch halbwegs unverschämt geratene Befriedigung niederer Männerinstinkte bleibt dem Publikum diesmal vorenthalten. Keine lüsterne Gier, keine verwegene Stellung, kein Geheimnis, das gelüftet, kein Tabu, das gebrochen würde.

Schlimmer noch: "Die wahre Geschichte" ist nicht einmal zum Lachen. Zwar hat sich van Ackeren redlich bemüht, seine Stilisierungskunst in den Dienst der Entmystifizierung des Rätsels Liebe zu stellen. Aber die Künstlichkeit schlägt nicht in Komik um, das Erhabene kippt nicht ins Lächerliche. Zu sehen ist nur der schwere Wille zur Leichtigkeit und die Mühsal des Blödelns auf gehobenem Niveau, als hätte Otto sich entschlossen, Autorenfilmer zu werden.

Kein Schock also und keine Sensation. Eigentlich handelt es sich nicht einmal um eine Premiere, denn: "Die wahre Geschichte von Männern und Frauen" ist abgeschrieben. Sönke Wortmann hat sie bereits vor einem Jahr mit demselben Hauptdarsteller zu erzählen versucht, in "Allein unter Frauen".

Auch Wortmanns Komödie scheitert an der Belanglosigkeit, mit der die Liebe verhandelt wird, aber wenigstens bietet sie Lokalkolorit: Man bewegt sich im Frankfurter Szene-Milieu und pflegt Beziehungskisten auf hessisch. Van Ackeren schiebt nun die Upperclass-Version nach: Frau trägt teure Dessous, spricht von Liebe und außerdem hochdeutsch. Der neue Mann verdingt sich zwar als Toilettenwart, aber im Nobelhotel: garantiert keim- und geruchsfrei.