In jeder Mühle gab es immer ein ruhiges Eckchen für den wandernden Müller. Heute bieten viele alte französische Mühlen Touristen Quartier.

Moulin Etape" heißt der Prospekt der französischen Mühlenhotels: 48 stellt die Broschüre mit Bild und Orientierungsplan vor. Das ist auch nötig, denn manche sind so versteckt, daß man sie nur nach längeren Irrfahrten findet. Aber das ist gleichzeitig ihr Vorteil: Sie liegen einsam und romantisch, meistens an einem rauschenden Bach.

Acht bis höchstens zwanzig Zimmer garantieren eine familiäre Atmosphäre. Der Patron, meistens ein Nachfahre des ehemaligen Müllers, wie Monsieur Woelffle im "Hotel au Moulin" in der Nähe von Colmar, gesellt sich gerne zum Besucher. Auch Madame Perenet, eine Pariserin, speist allabendlich in der "Moulin des Truites bleues" in Saint-Laurent-en-Grandvaux mit ihren Gästen. Nur acht Zimmer hat Madame Gatez in der "Moulin du Prieure", fünf Kilometer von Ornans entfernt, zu vermieten. Die im 13. Jahrhundert gegründete Wassermühle war bis 1967 in Betrieb. Das große Mühlrad funktioniert noch.

Die "Moulin de la Wantzenau" im Elsaß ist ein Zweisternehotel, das Restaurant Michelin-Stern-verdächtig. Der schöne Park des Zwanzigzimmerhauses geht unauffällig in die weitläufige Landschaft mit hohen Pappeln, Maisfeldern und Wiesen über. In der "Rubanerie" in Rothau an der Bruche in den Vogesen wurden bis 1969 Textilbänder hergestellt, und Monsieur Spach zeigt dem Gast gerne die wassergetriebenen Generatoren, die heute noch das Haus mit Energie versorgen. Im Hotel herrscht die gutbürgerliche Atmosphäre der Jahrhundertwende.

Von Lage, Größe, Komfort und Einrichtung her sind die Mühlen-Hotels in Frankreich sehr unterschiedlich. In ganz Frankreich, vom Elsaß bis zur Normandie, von Paris bis Marseille, findet der Reisende fast überall eine gastliche Mühle. Es gibt luxuriöse, mit vier Sternen, wie die "Moulin de Mombreux" unweit von Boulogne, oder die "Moulin d’Orgeval" vor den Toren von Paris. Die Zimmerpreise reichen von 640 bis 780 Franc (etwa 200 bis 240 Mark). Die bescheideneren, nur mit einem Stern ausgestatteten Mühlenhotels, wie zum Beispiel die "Moulin de Villiers" in der Nähe von Orleans, verlangen 180 bis 330 Franc (rund 60 bis 110 Mark) für das Zimmer. Die Preise der Zwei- und Dreisterne-Mühlenhotels liegen zwischen 200 und 580 Franc (ungefähr 62 bis 180 Mark). Das Frühstück wird immer extra berechnet und kostet zwischen 28 und 50 Franc (etwa 9 bis 16 Mark). Die Menüs bekommt man zwischen 135 und 550 Franc (circa 42 bis 170 Mark).

Manche Mühlenhotels bieten dem Gast nur Betten, andere zwar Köstlichkeiten aus Küche und Keller, aber keine Übernachtungsmöglichkeit, wie die "Moulin d’Orgemont" in Argenteuil. Sie gehört übrigens zu den wenigen Windmühlen im "Moulin Etape"-Prospekt.

Im Pierre-Horay-Verlag (22 bis, Passage Dauphine, F-75006 Paris, Tel. 0033-1/43 54 53 90) ist ein Führer in französischer Sprache unter dem Titel "Guide des Moulins en France" erschienen. Das Büchlein stellt über 400 französische Mühlen vor, die Besuchern zugänglich sind.

Informationen: Moulin Etape, Jacques et Annie Candoré, Moulin de Chameron, F-18210 Bannegon, Tel. 0033-48/61 83 80 und 0033-88/96 27 83, und Französisches Fremdenverkehrsamt, Westendstraße 47, 6000 Frankfurt 1, Tel. 069/756 08 30. Tas Toth