ZDF, Sonntag, 23. August, 20.15 Uhr,

Montag, 24. August, 19.30 Uhr:

"Späte Leidenschaft"

In einem der großflächigen Coffeeshops von Los Angeles kann er unerkannt bleiben. Da sitzt er manchmal, trinkt seinen Kaffee und ist für ein paar Minuten seiner Existenz entronnen: der millionenschwere Bankier, das schuldbeladene Arbeitstier, der unglückliche alte Mann Jules Mendelsohn (Jason Robards). In diesem Coffeeshop kann er der Niemand sein, als der er mal begonnen hat, da ist er umgeben von normalen Leuten, die ihm sonst nirgends mehr begegnen. Hier könnte er noch mal von vorn beginnen mit sich selbst.

Die kleine Serviererin (Rebecca De Mornay) gefällt ihm, er nimmt sie mit in seine Welt, kauft ihr ein Haus und was sie sonst an Luxus haben kann. Sie verkörpert die Coffeeshop-Atmosphäre, die Freiheit, die Möglichkeit, etwas ganz anderes zu sein. Er erfüllt ihre Wünsche, das heißt, er nimmt sie ihr weg. Er nimmt ihr den Charme der großen Optionen und steckt sie an mit seinem Überdruß. Was dieser Mann berührt, wird zu Geld, das heißt, es wird entwertet. Seine Geliebte wird ihr Geld wert und produziert sich vor ihm mit einem Striptease: "I wanna be loved by you", singt sie und wackelt mit ihrer Götterspeise, wie MM es tat. Das bricht dem alten Mann das Herz. Er muß auf die Intensivstation, und erst dort kommt sein Mädchen ihm nahe, weil es erst jetzt sein Unglück sehen kann.

Diese Geschichte zu erzählen hätte für einen Fernseh-Zweiteiler ausgereicht; sie reicht nicht für ein "Tele-Movie" aus Amerika. Da müssen noch zwei, drei Mordgeschichten hinzukommen, Bestechung, Erpressung, Drogen. All das in Höchstform, knapp geschnitten, nur die brillantesten Bilder, Mienen und Aktionen. Der Ort der Handlung: ein Soft-Kokon aus seidigem Glanz. Der Perfektionismus als unentrinnbare Lebenskapsel wird vorgeführt mit der üblichen, der erwarteten, der einzig möglichen Perfektion, mit einem Bilderstrom, der immer reizt und nie verletzt oder auch nur irritiert, der den Sog erzeugt, den es in Amerika braucht, um in der Bildschirmkonkurrenz zu bestehen.

Der Film erzählt von den harten Drogen, die die Verwertungsmechanismen der High-Society noch eben am Laufen halten, und er selbst ist eine dieser harten Drogen. Er kann nicht durchdringen in die ungeschminkte Wirklichkeit dessen, was er darstellen will: Nichts Häßliches, kein Gran wirkliches Elend. Aufregend ist dieser Versuch und beklemmend, mit den geschmackvollen Arrangements der Fernseh-Konvention das Elend der Befangenheit in den geschmackvollen Arrangements des Lifestyle zu zeigen. Die Hast, die Gewalt, die ganze nervöse Anspannung in diesem Film scheint aus dem vergeblichen Versuch herzurühren, Zwänge zu kritisieren, denen man sich, was die künstlerische Form betrifft, nicht zu entziehen wagt. Es ist der verzweifelte Versuch, durchzudringen zu echtem Blut, Schweiß und Tränen, ohne damit in Berührung zu kommen.