Die Fensterklappe stand offen, übriggebliebene Regentropfen kullerten abwärts, platzten und teilten sich in wackelige Striche, die einander nicht losließen. Am Wasserhahn hing auch ein Tropfen, nach unten lief er schon spitz zu, jeden Augenblick konnte er auf die vollgelaufene Tasse plumpsen und dann Kreise ziehen. Die Untertasse war auch noch nicht übergelaufen, und der am Wasserhahn baumelnde Tropfen fiel nicht ab, sondern verwandelte sich in einen matten schwankenden Strahl. Der Wasserhahn schien jetzt leer zu sein. Ein Seufzer in der Leitung meldete den Schluß. Noch regte es sich in der Tasse, aber sie war nicht übergelaufen, an ihrem Rand hingen nicht einmal Tropfen. Während sie sich ruhig stellte, kamen aus der Wasserleitung zaghafte Töne, die immer heller wurden, bis sie sich selbst die Luft abschnitten. Im Ausguß klirrte es, die Tasse hatte durch Überfüllung genug Gewicht gekriegt, um sich genau in die für sie vorgesehene Umrandung hineinzuquetschen, und verlor dabei allerhand Tropfen. Nun glückte es der Untertasse wie der Tasse, randvoll zu sein.

Daß der Regen inzwischen wieder weitermachte und Tropfen auf die Fensterklappe zielte – zum Trommeln war er viel zu schwach –, blieb nicht ohne Antwort. Martertöne schoben sich in der Wasserleitung rauf und runter, das Winseln hörte jedoch so schnell wieder auf wie der Regen. Ein letzter Tropfen bildete sich am Wasserhahn, schloß die Öffnung glatt ab, als wollte er sie versiegeln, quoll auf, hatte noch Halt und wurde dann trotzdem von einem Windzug aus der Fensterklappe verwischt.

Die Fensterklappe saß nicht ganz fest in ihren Angeln, und im Wasserhahn mußte noch Druck sein. Ob sie ihren allerletzten Tropfen opfern würde, um einen Schlußpunkt unter das Getropfe zu setzen? Es würde keiner mehr, aber ein Ton kam heraus, kleinlaut und zitterig; er bildete die Summe all der Töne, die ihr Leben ausgehaucht hatten.