Daß Handke den Zeitgeist getroffen hat, ist mir schon klar, aber für mich handelt es sich dabei um Mainstream-Literatur. Gegen die bin ich audrücklich angetreten. Ich wollte ein Programm mit den Leuten machen, die ich für die Besten halte. Und das sind nun einmal Gernhardt, Henscheid, Wollschläger. Sie sind die bedeutendsten Schriftsteller unserer Zeit.

Verleger Gerd Haffmans in einem Interview mit dem "FAZ"-Magazin vom 14. August 1992

Rettet den Rand

Gute Nachricht diesmal vom bayerischen Innenminister Stoiber, in dessen Ministerium nicht nur die zulangende Polizei, sondern auch die Oberste Baubehörde gehört. Er redet "Gemeinden, Bürgern und Planern" ins Gewissen, ihre Städte, vor allem ihre Dörfer nicht mehr so liederlich und so stumpfsinnig und blind wie bisher ausufern zu lassen. In Nummer 12 der sehr bemühten (wenngleich nicht gerade virtuos gemachten) "Arbeitsblätter für die Bauleitplanung" für jedermann mit dem Titel "Ortsränder" wird erläutert, worum es geht und wie man es besser macht, warum Bauwerke trefflicher plaziert, im richtigen Maßstab entworfen und gestaltet werden sollten. Das, liest man, gelte gleichermaßen für Wohn- und Gewerbegebiete, ganz besonders für Klär- und Kraftwerke, Bauhöfe, landfressende Einkaufszentren, mit denen schon so viele Dörfer und Landschaften verschandelt worden sind. Das Heft endet mit Empfehlungen, zu denen die "rechtzeitige und fachlich einfühlsame Beratung des Bürgers" gehört – und mit der nicht weniger dringlichen Forderung nach Sensibilisierung derjenigen, die die (besseren) Ideen in die Tat umzusetzen haben: Bauherren, Politiker, Behörden.

Im Dutzend Billy

Billy Wilder, Starreg., Hollywood, geboren in Galizien vor 86 Jahren, trug und trägt gerne einen Hut. Das wissen wir aus dem Spiegel, dem stern und der Süddeutschen Zeitung (SZ). Barbara Stanwyck war "eine Beißerin, eine Kratzerin, aber die Monroe ist eine Streichlerin". Das erzählte Billy Wilder Helmut Dietl vom stern. Die Monroe "trug keinen Büstenhalter". Berichtete Wilder Hellmuth Karasek vom Spiegel. Die Monroe ist tot. Billy Wilder aber lebt. Und redet. "Billy Wilder hat es nicht weit zu Marilyn Monroe", schreibt Hellmuth Karasek. Hellmuth Karasek hatte es nicht weit zu Billy Wilder. Sein Bericht ist "eine Nahaufnahme von Hellmuth Karasek", 496 Seiten bei Hoffmann & Campe, vier Folgen im Spiegel. Vor lauter Nähe sind Karasek die Anführungszeichen verlorengegangen; nur ein paar versteckte Doppelpunkte deuten an, wer gerade spricht. Helmut Dietl (zwei Folgen im stern) hat geschickt gekontert und seinem Opfer Wilder in einem gnadenlosen Kampf um Nähe das Du abgeluchst. "Du mußt wissen", so Wilder zu stern-Dietl, "ich esse gerne." Dann – die Wilder-Schlacht in den Wochenmagazinen ist gerade abgeklungen – die große Überraschung: eine ganze, pralle Seite Wilder in der Sonntagsbeilage der SZ. In einer Nahaufnahme. Von Hellmuth Karasek. Und dann: Wilder, der Film. Von Volker Schlöndorff und Hellmuth Karasek. Dreißig Stunden Interview in der sechsstündigen Fernseh-Kurzfassung. Am allerbesten aber hat uns die SZ-Überschrift zur Wilder-Nahaufnahme gefallen, Regisseur Wilders erstes Gebot: "Du sollst nicht langweilen!"