Kurzes Gedenken

Die Gedenkstätte Buchenwald versucht, sich vom DDR-Erbe zu befreien: In dem ehemaligen Konzentrationslager soll an alle Opfer, nicht nur an die Kommunisten, erinnert werden. Ein künstlerischer Wettbewerb verzögert jedoch die Errichtung eines Mahnmals für die Juden bis zum Herbst 1993. So lange müssen andere nicht warten. Moritz Landgraf von Hessen will in wenigen Wochen zum Todestag seiner Mutter eine lebensgroße Statue in Buchenwald aufstellen lassen: Mafalda Prinzessin von Savoyen kam dort 1944 bei einem Bombenangriff ums Leben. Da sie die Tochter des italienischen Königs Vittorio Emmanuele III. war, hat sich auch eine Delegation italienischer Monarchisten zum Fanfarenstoß angekündigt. Das thüringische Ministerium für Wissenschaft und Kunst will die private Totenklage am KZ-Gelände genehmigen – unter einer Bedingung: Die Statue wird nach der Feier wieder abgebaut und eingemottet.

Waffenschwemme

In Bosnien, auf dem Kaukasus und anderswo schießen Soldaten um sich – aber angeblich haben die Waffenhändler nichts von diesem Feuerwerk. Der Chef der britischen Firma Interarms, Sam Cummings, klagt über niedrige Preise und eine Waffenschwemme in den Krisenregionen. Durch das UN-Embargo gegen Jugoslawien sei sein Balkan-Geschäft völlig zum Erliegen gekommen. Unterdessen produzieren die Serben ihre Waffen in eigenen Rüstungsschmieden. Auch der russische Traditionshersteller Kalaschnikow leidet unter der Flaute. Über Ungarn konnten die Russen jüngst noch 20 000 Gewehre nach Kroatien liefern. Doch seither bleiben die Aufträge aus. Der 73jährige Kalaschnikow hat jetzt Sam Cummings persönlich seine beiden neuesten Modelle zum Kauf angeboten. Doch der lehnte ab – er hat noch 40 000 Auslaufmodelle auf Lager.

Verflixte Stäbchen

Japan zahlt einen hohen Preis für sein expansives Wirtschaftsmodell: Kultur und Sitten verfallen dramatisch. Jetzt fürchten Wissenschaftler gar um die geistige Potenz der Japaner. Warum? Seit mehr als 1300 Jahren benutzen sie Eßstäbchen, aber seit dem Zweiten Weltkrieg geht es mit dieser Tradition bergab. Immer mehr Japaner halten – ganz wie Touristen – ihre Stäbchen entweder über Kreuz oder nehmen sie gleich wie einen Dolch in die Hand. Nur noch zehn Prozent der Grundschüler wissen korrekt mit ihnen umzugehen; im Jahr 1984 waren es noch sechzehn Prozent. Nun hat der Direktor des Primaten-Forschungszentrums an der Universität von Kioto auf die engen Beziehungen zwischen physischen Bewegungsabläufen und Gehirnfunktionen hingewiesen. "Was den Menschen vom Affen unterscheidet, ist seine Fingerfertigkeit und der geschickte Gebrauch von Handwerkszeug."