Von Katja Pols

Auf dem Spielplatz an der Hunsrückstraße in Bochum fließt neuerdings ein Bach. Kinder haben ihn sich gewünscht, ihn geplant und auch geholfen, ihn anzulegen. Die kleine Aktion ist Teil eines Programms, mit dem Bochum, Essen, Köln und zwölf weitere Städte in Nordrhein-Westfalen kleine Schritte machen auf dem Weg in eine kinderfreundlichere Zukunft.

Sie gründeten dazu kommunale "Kinderbüros". Den Anstoß gab das 1990 erlassene neue Kinder- und Jugendhilfegesetz, das eine stärkere Beteiligung der Kinder an der Gestaltung ihrer Umwelt fordert. Die Landesregierung in Düsseldorf hat, als erste und bisher einzige, schon 1989 einen Kinderbeauftragten berufen. Es ist der Jurist Reinald Eichholz. Das Motto seiner Arbeit: "Wir müssen lernen, daß Kinderfreundlichkeit ein Qualitätsmerkmal ist."

Viele lernen noch, Bürger wie Bürokraten. Während die einen noch immer mit hohem Tempo durch Wohngebiete rasen, entwerfen die anderen Grundsatzpapiere für eine Verkehrspolitik, die sich nicht nur an den Bedürfnissen motorisierter Mitbürger orientiert. In Essen, zum Beispiel, kommen statistisch auf jedes Kind drei Autos (84 000 zu 278 000). Ganze Innenstädte wurden zu Parkplatzburgen, und auch in anderen Stadtteilen fehlt es an Spielfläche für Kinder. Nachbarn verbieten das Rollschuhfahren vor der Haustür, und in den Sandkästen sind die Hunde zu Hause. Der städtische Kinderbeauftragte Peter Schneller zählte allein auf einer Schulwiese in Bochum-Hiltrop über hundert Hundehaufen. Nun unterstützt die Stadt die Kinderaktion für saubere Sandkästen und droht uneinsichtigen Hundehaltern mit Bußgeld bis zu tausend Mark.

Schnelle Erfolge sind selten. Seit über einem Jahr wird in Essen über die Verkehrsberuhigung einer stark befahrenen Straße diskutiert, an der vier Schulen liegen. Die Kinder wünschen sich Radwege, die Anwohner Parkplätze. Immerhin ist inzwischen auch der Kinderbeauftragte gehört worden.

Die Etats der Kinderbüros liegen, sofern überhaupt vorgesehen, zwischen 10 000 und 20 000 Mark. Doch das Geld sei nicht das Hauptproblem, sagen die Kinderbeauftragten übereinstimmend. Viel schwieriger sei es, die Mitarbeiter in den anderen Ämtern zu überzeugen, ihren Etat auch mal für "kinderfreundliche Maßnahmen" einzusetzen. In Essen wurde die Verwaltung inzwischen per Dienstanweisung dazu verpflichtet. Das ist hilfreich, denn schon bei der Planung findet nun eine "Kinderfreundlichkeitsprüfung" statt. Gibt es Streit, entscheidet der Oberstadtdirektor.

Einmalig ist das Amt für Kinderinteressen in Köln. Über fünfzig Mitarbeiter kümmern sich um Wünsche der Kinder. Um diese herauszufinden, befragt einer der Mitarbeiter regelmäßig Schulkinder. In den Fluren des Amtes ist das Ergebnis ausgehängt: Auf "Ärgerbäumen", bunten Papierkronen, auf denen Kinder in krakeliger Schrift notiert haben, was sie wütend macht. "Daß manche Busfahrer nicht warten, wenn sie uns rennen sehen." "Zu wennich Ratwege."