Von Wolfgang Hoffmann

Auf Verkehrsminister Günther Krause kommt ein Problem zu, dessen Lösung den Steuerzahler noch viel Geld kosten könnte. Er muß sich zwischen zwei deutschen Seehäfen entscheiden – zwischen Rostock an der Ostseeküste, wo Krause zu Hause ist, und Wilhelmshaven im Westen der Republik, für Krause noch immer fremdes Land.

Trifft Krause, Landesvorsitzender der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, seine Wahl zugunsten des Westens, verscherzt er sich Sympathien im Osten. Gibt er jedoch der notleidenden Heimat Rostock den Zuschlag, könnte er seinen Eid als Minister verletzen, der ihn verpflichtet, Deutschlands Nutzen zu mehren und Schaden abzuwenden. Mit Schaden ist jedoch zu rechnen, sollte sich der Minister für Rostock entscheiden.

Der Konflikt hat zu tun mit dem Kauf der ostdeutschen Leuna-Werke AG und der Hydrierwerke Zeitz durch das französisch-deutsche Firmenkonsortium Société Nationale Elf Aquitaine/Thyssen Handelsunion /Deutsche SB Kauf AG. Die neuen Eigentümer wollen in Leuna die größte und modernste Raffinerie Europas aus dem Boden stampfen – Leuna 2000. Vorgesehene Investitionen: rund fünf Milliarden Mark.

Das Konsortium will die Abhängigkeit Leunas von den Ölquellen in der ehemaligen Sowjetunion lockern, aus denen die ostdeutschen Raffinerien bisher gespeist wurden. Da dieses Öl viel Schwefel enthält und daher von minderer Qualität ist, liegt es nahe, das Öl aus dem Osten mit besserem aus dem Westen, etwa der Nordsee, zu mischen. Thyssen und Elf wollen aus diesem Grund eine neue Pipeline von Rostock nach Schwedt an der polnischen Grenze bauen. Dort stößt die Gus-Pipeline Druschba auf deutsches Territorium, versorgt das zur Veba gehörende Petrochemische Kombinat Schwedt und führt weiter nach Leuna. Um jedoch in Rostock eine neue Pipeline mit Rohöl beschicken zu können, müßte der Standort zum Ölhafen ausgebaut werden.

An dieser Stelle kommt Verkehrsminister Krause ins Spiel. Er ist für die Bundeswasserstraßen zuständig, mithin für die Vertiefung des Rostocker Hafens, ohne die das Projekt sinnlos wäre. Und daß die Rostocker dabei auf Hilfe ihres CDU-Landesvorsitzenden zählen, liegt nahe.

Unter den neuen Leuna-Eignern hat der Plan vor allem für Thyssen bestechende Vorteile. Die Firma baut nicht nur die neue Raffinerie in Leuna und wrackt die alte ab, sie würde überdies die Pipeline bauen und dürfte als erfahrenes Generalunternehmen sicher mit dem Zuschlag beim Hafenausbau rechnen. Und nicht zu vergessen: Das Image von Günther Krause als Bundesminister, der für seine Ossis in Bonn herausholt, was herauszuholen ist, könnte deutlich an Glanz gewinnen. Ein zufriedener Krause würde sich erkenntlich zeigen und den Essener Konzern bei seinem ehrgeizigen Vorhaben unterstützen, die neue Magnetbahn Transrapid zumindest als Referenzstrecke in der Bundesrepublik einzuführen. Dieses Kalkül liegt jedenfalls nahe.