Die Bahnfahrkarten sind gekauft, die Koffer gepackt, es kann losgehen. Beim Anblick der vielen Gepäckstücke erhebt sich allerdings die Frage: Wer soll das bloß alles tragen? Die Bahn kann helfen.

In diesem Sommer wurde der Gepäckservice von Bundes- und Reichsbahn neu organisiert. Die Umstrukturierung bringt einige Verbesserungen: Zum einen kann man Reisegepäck jetzt auch samstags transportieren lassen, zum anderen hat die Bahn für ihren Service Festpreise eingeführt, wodurch die Transportkosten für den Kunden überschaubarer sind. Darüber hinaus erstreckt sich der sogenannte "Haus-zu-Haus"-Gepäcktransport jetzt flächendeckend auf das ganze Bundesgebiet. Dadurch kann man auch in Orten ohne eigenen Bahnhof seine Koffer auf Reisen schicken. Der Reisende muß dafür nur sein "Gepäck-Kurier-Depot" anrufen, eine Art Sammelstelle der Bahn. Welches Depot zuständig ist, schlägt er in der Broschüre "Gepäck-Kurier" (kostenlos an allen Bahnschaltern zu erhalten) unter der Postleitzahl seines Heimatortes nach.

Mehrere Zustellvarianten stehen zur Wahl: Zum einen können die Koffer direkt von zu Hause bis zur Urlaubsadresse oder zum Zielbahnhof transportiert werden. Bei diesem "Haus-zu-Haus"- oder "Hauszu-Bahnhof-Service" ordert man bei seinem Depot einen Kurier; der holt die Koffer dann am nächsten Tag – außer Sonntag – ab und liefert sie am darauffolgenden Tag am Reiseziel aus. Wenn man zum Beispiel freitags verreisen und abends sein Gepäck am Urlaubsort haben möchte, ruft man spätestens am Mittwoch beim Depot an. Dort erfährt man auch, ob der Kurier die Fracht vormittags oder nachmittags abholt. Eine genauere Terminvereinbarung ist nicht möglich. Für die Zustellung wird überhaupt kein Termin angegeben. Außerhalb der Dienstzeiten nimmt ein Anrufbeantworter den Auftrag entgegen.

Schneller geht es, wenn der Reisende seine Koffer direkt bei der Gepäckabfertigung im Bahnhof aufgibt, denn dann werden sie bereits am nächsten Tag – wieder außer Sonntag – am Ziel abgegeben.

Auch die neuen Bundesländer sind bei diesem Service eingebunden. Die Zustellung zwischen Ost und West dauert allerdings einen Tag länger als innerhalb der alten oder innerhalb der neuen Länder.

Der "Gepäck-Service" gilt für Koffer und Reisetaschen bis jeweils 30 Kilogramm sowie maximal zwei Paar Skier – was über 30 Kilo wiegt, wird nicht mehr befördert. Rollstühle und Fahrräder werden nur von Bahnhof zu Bahnhof transportiert. Für jedes einzelne Gepäckstück zahlt man bei der "Hauszu-Haus"-Beförderung 25 Mark, egal, wieviel es wiegt und wohin es geht. Der Transport von "Bahnhof zu Bahnhof" kostet 16 Mark pro Koffer und 21 Mark pro Fahrrad. Für die Nord- und Ostfriesischen Inseln kommt eine Seefrachtpauschale von 7 Mark hinzu.

Die Gepäckverschickung ins Ausland dauert länger und funktioniert nur von Bahnhof zu Bahnhof. Bei den Nachbarländern sollte man sein Gepäck normalerweise zwei Tage, bei den südlichen Ländern drei bis vier Tage vor Abreise aufgeben. Mit Ausnahme von Großbritannien und Italien beteiligen sich alle europäischen Länder an der Beförderung – auch Estland, Lettland und Litauen sowie die GUS.

Generell braucht man eine gültige Fahrkarte, um den Service zu nutzen, man kann sein Gepäck nicht wie ein Postpaket verschicken. Da man seine Koffer während der Reise nicht selbst beaufsichtigen kann, leistet die Bahn bei Schäden Ersatz: Pro beschädigten Koffer zahlt sie bis zu 1600 Mark. Wer auf Nummer Sicher gehen will, schließt zusätzlich eine Reisegepäckversicherung ab. Ralf Frädtke