Die Gegenleistungen für die Freilassung politischer Häftlinge haben bewirkt, was die Deutschlandpolitiker im Westen immer verhindern wollten: die Machthaber im Osten zu stabilisieren.

  • Eine eigentümliche Liaison

Als das Häftlingsgeschäft mit dem DDR-Außenhandelsministerium 1964 beginnt, läuft zunächst alles wie geplant. Bananen, Apfelsinen und alles Verderbliche kommt in die Kaufhallen, andere Produkte gelangen in die Staatsreserve.

Von Fall zu Fall läßt der Ministerrat sie auf dem Weltmarkt verkaufen, um an Devisen zu kommen: Als 1966 im Außenhandelsministerium der "Bereich Kommerzielle Koordinierung" gegründet wird, kommt den Führungskadern Alexander Schalck-Golodkowski und Manfred Seidel die Idee, das umständliche Verfahren abzukürzen. Statt Waren herbeizuschaffen, einzulagern, wieder wegzuschaffen und zu verkaufen, wäre es einfacher und profitabler, das Geld gleich aus dem Westen zu bekommen.

Als am 29. März 1974 das "Sonderkonto Honecker" eröffnet wird, "haben wir schon die meisten Warenlieferungen zu Devisen umgedreht", erinnert sich Manfred Seidel. Ein internes Papier aus dem Jahre 1972 deutet an, wie das geschah: "Sondergeschäft ‚B‘, ... Häftlinge usw. Vereinbarungen und Prinzipien legen wir fest. Beträge werden über Warenlieferungen realisiert und wieder zu Valuta durch Verkauf und Manipulation gemacht."

Zur planmäßigen Manipulation bedarf es eines einflußreichen Partners im Westen.

Der Verhandlungspartner der KoKo im Westen heißt Ludwig Geißel. Der Vizepräsident des Diakonischen Werkes in Stuttgart organisiert die Lieferungen.