Von Gabriele Venzky

Erst brannten sie mein Haus nieder, dann kamen sie mit Gewehren, um mich zu erschießen. Da sagte ich ihnen: ‚So könnt ihr den Fortschritt auch nicht aufhalten. Aber wenn ich euch einen Rat geben darf, nehmt doch lieber einen Knüppel, um eine wehrlose Frau zu erschlagen. Das ist weniger aufwendig.‘"

Professor Rokheya Rahman Kabir erzählt von dem Beginn ihrer zweiten Karriere wie jemand, der vom Einkauf im Supermarkt berichtet. Bangemachen gilt nicht, ist ihre Devise, eine außergewöhnlich mutige Devise in einem Land, in dem sich Frauen und Mädchen für gewöhnlich ganz in die Abhängigkeit von Männern zu begeben haben. Die Rede ist vom islamischen Bangladesch.

Devise Nummer zwei der Rokheya Kabir lautet: Niemals abbringen lassen von dem, was man als richtig erkannt hat. Ganz allein hat diese Frau die zweitgrößte Selbsthilfegruppe für Frauen in ihrem Land organisiert. Heute betreut sie mit etwa neunzig Mitarbeiterinnen über 40 000 Frauen. Das Ziel: die materielle Selbständigkeit der Frauen.

Das Projekt Septagram, was soviel heißt wie "Sieben Dörfer", hat das Leben in drei Distrikten Bangladeschs radikal verändert. Rokheya Kabir: "Wir haben die Frauen aus der bittersten Armut herausgeholt und ihnen zum ersten Mal ein eigenes Selbstbewußtsein gegeben."

Die Brandstifter und gedungenen Mörder, die vor neunzehn Jahren dieses Unterfangen verhindern wollten, waren nicht ohne Grund auf Rokheya Kabir angesetzt worden. Sie kamen im Auftrag des größten Grundbesitzers im Kreis, der um den Bestand der alten Ordnung fürchtete.

"Als sie merkten, daß ich mich nicht einschüchtern ließ, wechselten die Dorfbewohner nach und nach auf meine Seite über. Ich hatte ihnen schließlich etwas zu bieten, er nicht."