Von Gunter Hofmann

I.

Bonn

Rostocks Flüchtlingsheim brannte am Abend des Tages, an dem die Politik sich wieder mit Aplomb in Bonn zurückmeldete. Ohne das Zusammentreffen der Ereignisse zu strapazieren: Vieles spricht dafür, daß es den Auftakt für einen heißen Herbst der Politik markierte.

Rostock heißt: Deutschland kommt mit sich, den enttäuschten Erwartungen und den zu erwartenden Überforderungen, mit den neuen Existenznöten und dem Ende der alten Gewißheiten nicht zurecht. Rostock ist auch eine soziale Explosion. Es ist unser deutsches Los Angeles.

Politik geschieht, während die Politiker (wie wir Journalisten) das Geschehen oft mehr oder weniger hilflos im nachhinein kommentieren. Nicht zum ersten Mal erleben wir diese Diskrepanz zwischen der gewohnten Politik und den realen Ereignissen, die sich einfach vollziehen, ohne daß es gelänge, sich frühzeitig und steuernd einzumischen. Rostock ist dafür nur ein Beispiel von vielen.

Der Kanzler ist zurück aus dem Urlaub im geliebten St. Gilgen. Mit äußerster Härte und Strenge müsse man vorgehen gegen Ausländerfeindlichkeit, rät er. Worte. Herr des Verfahrens ist die Politik darum noch lange nicht, das hat Rostock stichflammenartig bewiesen.