Märkte mögen übertreiben, dumm sind sie nicht. Jedenfalls entsprach es ökonomischer Logik, als der Dollar zu Beginn dieser Woche erstmals die Grenze von 1,40 Mark unterschritt. Kurzfristige Zinsen liegen in Deutschland um rund 6,5 Prozentpunkte über dem US-Niveau; in Washington erwartet man weitere Zinssenkungen, in Frankfurt Zinserhöhungen – George Bush weiß nicht weiter. Wer wollte da nicht gegen den Dollar spekulieren?

Bedrohlich ist der Run in die Mark allemal. Die Deutschen werden mit den Kosten der Einheit nicht fertig und blähen ihren Staatshaushalt auf. Die Bundesbank kämpft mit Rekordzinsen dagegen und treibt so den Mark-Kurs weiter in die Höhe. Dies belastet nicht nur – am Rande einer Rezession – den deutschen Export. Es zwingt die europäischen Nachbarn, vor allem Großbritannien, konjunkturwidrig ebenfalls zur Hochzinspolitik. Die Bundesbank wird daher zum Haßobjekt in ganz Europa. Der nächste Schritt könnte eine Mark-Aufwertung im Europäischen Währungssystem sein – neue Hiobsbotschaften für die deutsche Ausfuhr. pp

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