Von Friedhelm Gröteke

Nun ist sie doch an harte Grenzen gestoßen: Die abenteuerliche Schuldenwirtschaft des italienischen Staates, die von Jahr zu Jahr höhere Berge von Krediten auftürmte, hat erstmals einen schweren Konflikt mit einer Gruppe internationaler Geschäftsbanken heraufbeschworen. Die Institute aus Deutschland, Großbritannien, Amerika und Japan verlangen höhere Zinsen, andernfalls wollen sie ihre Milliardenkredite sofort zurück – ein wohl einmaliger Fall in Westeuropa.

Der Konflikt brach aus, als Italiens drittgrößte Staatsholding EFIM mit 17 oder 18 Milliarden Mark Schulden – so genau weiß das auch der Vergleichsverwalter noch nicht – am 18. Juli pleite ging. Die Muttergesellschaft und ihre 140 Töchter brachten mit 37 000 Beschäftigten zuletzt noch 6,3 Milliarden Mark Umsatz zusammen. Auf eine Mark Umsatz kamen also drei Mark Schulden. Längst war das Grundkapital verloren, die Holding überschuldet. Aber erst als die Banken weitere Kredite sperrten und deshalb selbst für die Löhne kein Geld mehr vorhanden war, erklärte die neue italienische Regierung Giuliano Amato die EFIM für abwicklungsreif. Sie bestellte einen Liquidator und ordnete an, daß aus der Kasse der EFIM zwei Jahre lang keine Schulden bezahlt werden dürfen.

Nun wollen aber alle Gläubiger ihr Geld rasch wiederhaben. Schließlich ist die EFIM eine öffentlich-rechtliche Körperschaft, sozusagen ein Stück Staat. Dieser Staat aber hat selbst schon Schulden auf dem Buckel, die höher sind als das gesamte Sozialprodukt des Landes. In der Staatskasse sind auch für so vorhersehbare Pleiten wie die der EFIM keine Mittel mehr.

Das meiste Geld haben die Banken dem EFIM-Konzern geliehen, nämlich 11,5 Milliarden Mark. Da vier Fünftel des italienischen Kreditgeschäftes von öffentlich-rechtlichen Instituten kontrolliert werden, gehört ihnen der größte Teil der Forderungen gegen die EFIM. Und diese Banken haben geduldig zu warten. Schließlich wäre es äußerst seltsam, wenn der Staat sich selbst pfänden würde. Nicht soviel Geduld in eigener Sache zeigen dagegen sechzig ausländische Banken, die in elf Kreditkonsortien zusammengefaßt sind und zusammen 4,72 Milliarden Mark von der EFIM und ihren Tochtergesellschaften zurückfordern.

Mit einem eigenen Gesetz versucht die Regierung in Rom, diese Ansprüche zu befriedigen. Da die Staatskasse leer ist, soll das Schatzamt

Von Friedhelm Gröteke