Allein der Gedanke muß George Bush Bauchgrimmen bereiten: daß Saddam Hussein noch immer in seinem Bunker in Bagdad sitzt, während er möglicherweise in Kennebunkport ein Rentnerdasein fristet. Wenn der Präsident also neuerlich zur Attacke bläst, dann weniger, weil er plötzlich seine Sympathie für die Araber im Sumpf des Zweistromlands entdeckt hat, sondern weil er endlich den Kopf seines Widersachers möchte. Doch was immer die Beweggründe – Saddam daran zu hindern, weiterhin die Schiiten im Südirak abzuschlachten, kann so falsch nicht sein. Wie die Kurden im Norden haben auch sie ein Recht auf Schutzzonen.

Nun läßt sich trefflich streiten, ob neue Aktionen am Golf von den einschlägigen UN-Resolutionen gedeckt sind; sie sind es, nüchtern betrachtet, wohl nicht. Aber erscheinen solche Debatten nicht müßig, wenn täglich Menschen vertrieben und getötet, Dörfer zerstört und Ernten verbrannt werden? Und wäre eine Spaltung des Iraks in einen Kurdenstaat, eine sunnitische Mitte und einen schiitischen Süden so unerträglich?

Das irakische Volk ist nicht von der Teilung des Landes bedroht, sondern vom Fortbestehen des blutigen Saddam-Regimes. F. G.