Von Udo Perina

Präsident George Bush muß sich vorkommen wie ein berühmter Tenor, dem nach einer verpatzten Premiere die faulen Tomaten um die Ohren fliegen. Unmittelbar nach seiner mit Spannung erwarteten Abschlußrede auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner setzte eine regelrechte Kapitalflucht aus Amerika ein. Die Börsenkurse purzelten wie lange nicht mehr, und der Dollar stürzte von einem Rekordtief ins nächste. Deutlicher hätte die Finanzwelt ihr Mißtrauen gegenüber Bushs Wirtschaftspolitik nicht ausdrücken können.

Investoren, Anleger und Spekulanten hatten sich von Bush realistische Vorschläge zur Ankurbelung der flauen Konjunktur und zum Abbau des immensen Budgetdefizits erhofft. Zwar stellte der Präsident für den Fall seiner Wiederwahl Steuersenkungen in Aussicht. Aber nachvollziehbare Pläne für Ausgabenkürzungen fehlten. "Das Steuerversprechen ist kaum mehr als ein politischer Trick", kommentierte Robert Hormats, Chef des renommierten Brokerhauses Goldman Sachs.

Nun hat es den Anschein, als wolle niemand mehr sein Geld in den Vereinigten Staaten investieren. Die Nachfrage nach amerikanischer Währung ist derart gering, daß der Dollar am Montag in New York erstmals in seiner langen Geschichte unter 1,40 Mark gehandelt wurde. Notenbanken in aller Welt versuchten noch die schnelle Talfahrt durch Stützungskäufe zu bremsen. Aber die von Beobachtern als halbherzig bezeichneten Interventionen blieben ohne nachhaltige Wirkung.

Offenbar fehlte es den Währungshütern am rechten Willen, den Kursverfall tatsächlich zu stoppen. Denn Amerika kann mit einem niedrigen Dollar-Kurs gut leben. Einerseits fördert er den Export, weil sich die amerikanischen Angebote auf den Weltmärkten verbilligen. Andererseits werden Importe teurer zum Vorteil, der heimischen Anbieter. Und die einzige Importware, auf die Amerika wirklich angewiesen ist, Rohöl, wird sowieso mit Dollar bezahlt und bleibt von den Preissteigerungen verschont.

Mehr Probleme bereitet die Schwäche der amerikanischen Währung im Ausland. Oft sind Exporteure, etwa die deutschen Maschinen- und Anlagenbaues zu Preissenkungen gezwungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber da überraschende Kursausschläge beim Dollar nichts Neues sind, haben die meisten Exportfirmen längst gelernt, damit zu leben. Im deutschen Außenhandel wird sowieso zu über achtzig Prozent in Mark abgerechnet. Lediglich die Schiffahrtsbranche und die Flugzeugindustrie fakturieren traditionell in Dollar. Aber auch hier ist vorgesorgt: So hat die Deutsche Airbus GmbH den günstigen Dollar-Kurs im dritten Quartal 1991 genutzt, um Teile der Dollar-Einnahmen bis 1995 durch Termin-Kontrakte abzusichern.

Positiv macht sich der schwache Dollar bei den Importen bemerkbar, da die Preise sinken und so die Inflation gedämpft wird. Die Bundesbank hatte also auch keinen rechten Grund, sich mit großem Eifer an den Stützungsaktionen für den Dollar zu beteiligen. Im Gegenteil: Sie heizt das Geldmengenwachstum und damit die Inflation an, wenn sie Dollar gegen Mark aufkauft.