Von Barzan al-Takriti

GENF. – Im Denken und Fühlen der Menschen am Golf ist der Wunsch tief verankert, lieber einem größeren arabischen Gemeinwesen anzugehören als einem historisch überholten System kleiner Scheichtümer und Monarchien. Sie können die Herausforderungen unserer Zeit nicht bewältigen und sind nicht überlebensfähig.

Die ererbten Fehden zwischen den Herrscherfamilien, die Grenzkonflikte und das Wachsen islamistischer Strömungen erhöhen die Explosionsgefahr in der Golfregion.

Vor diesem Hintergrund erweist es sich als eine immer drängendere Notwendigkeit, die Arabische Halbinsel politisch neu zu ordnen. Die Golfstaaten (Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Qatar, Bahrain, Kuwait) müssen Veränderungen akzeptieren, wenn sie eine wirkliche Stabilität wollen. Sie ist um so wichtiger, als die Kluft zwischen den reichen und den armen arabischen Ländern wächst. Das Kuwait-Problem ist ein treffliches Beispiel dafür. Es ist zu einer Schicksalsfrage für das ganze irakische Volk geworden, die auf lange Zeit für beide Seiten große Gefahren birgt. Das Erdöl vertiefte die Spaltung. Für die lang ersehnte wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region konnte es nicht verwendet werden.

Deshalb ist eine fortschrittsorientierte stabile Neuordnung der Golfregion notwendig. Sie muß den Interessen aller Beteiligten Rechnung tragen. Wie könnte sie aussehen?

Erstens muß eine vernünftige Lösung des irakisch-kuwaitischen Konflikts gefunden werden, die nicht den Graben vertieft und die Wunden nicht offenhält. Sie muß die Interessen beider Seiten respektieren und in einen Zusammenschluß der beiden Staaten Irak und Kuwait münden.

Zweitens muß es zu einem Anschluß Qatars und Bahrains an Saudi-Arabien kommen. Beide Emirate sind geographisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich eng mit Saudi-Arabien verbunden. Ihre Herrscherfamilien unterhalten beste Beziehungen zum saudischen Königshaus. Sie besitzen wenig Ölreserven und könnten langfristig vom saudischen Ölreichtum profitieren. Ein solcher Anschluß würde für das bevölkerungsarme und noch überaus verschlossene Saudi-Arabien die ökonomische Basis und viele Strukturen verbessern – in Richtung mehr Offenheit und Freiheit.