Von Arthur Kreuzer

In jüngster Zeit beschwören Schlagzeilen immer häufiger den "weißhaarigen Verbrecher". Es wächst angeblich die "Kriminalität der Greise in einer vergreisenden Gesellschaft". In den Vereinigten Staaten wurde eine Gesellschaft zur interdisziplinären Forschung über alte Straftäter gegründet. Ist dies die Entdeckung, oder ist es die Erfindung eines neuen Tätertyps?

Fallberichte wie die folgenden scheinen die Vermutung ansteigender Kriminalität unter alten Menschen zu bestätigen:

Ein 82jähriger britischer Exmajor schnitt seiner 77jährigen Geliebten, deren Eifersucht überdrüssig, die Kehle durch – sie habe ihm immer vorgeworfen, sämtlichen alten Frauen im Heim den Hof zu machen.

Ein 76jähriger und seine 69jährige Frau wurden in Missouri wegen fünffachen Mordes verurteilt; als älteste Kandidaten für die Todesstrafe sitzen sie auf der death row.

Eine 82jährige Französin wurde in Reims wegen Heroinschmuggels festgenommen, mit ihr 38 Komplizen, darunter ihr Enkel.

Trotz der scheinbaren Häufung solcher Fälle, trotz vieler und immer wieder neuer Geschichten von betagten Ladendiebinnen oder auch Heiratsschwindlern im Greisenalter: Das massenmedial nahegelegte Bild von wachsender Alterskriminalität täuscht. Es besteht Anlaß, Klischees zu entlarven und neuen Mythen vorzubeugen.