Der Fall der Sowjetunion raffte einen ganzen Wissenszweig dahin: die Kreml-Astrologie. Ihre Formeln, die sich auf Plazierungen in der Prawda und Anordnungen der Tribüne am 1. Mai stützten, sind nun überflüssig. Wer Freude an politischer Personologie hat, braucht sich dennoch nicht zu langweilen, wie ein Blick ins amerikanische Journal of Personality and Social Psychology lehrt (Band 62, 1992, S. 469 –479). Putzmunter geht es nämlich bei jenen Forschern zu, die mit statistischen Mitteln ergründen wollen, welche Faktoren einen US-Präsidenten zu historischer Größe wachsen lassen.

Die Präsidenten werden wie Baseballspieler und Popstars in Ranglisten geführt. Zwar gibt es keine offizielle Hitparade, aber die seit 1948 veröffentlichten Rangfolgen lassen sich zu einer Liste zusammenschreiben, die unter Historikern mehrheitsfähig ist. Sie bildet mit ihren (je nach Aktualität um die Zahl 30 schwankenden) Positionen den Forschungsgegenstand der statistischen Präsidentologie.

Wie jede Sozialwissenschaft ist auch diese in eine "objektive" und eine "subjektive" Schule gespalten. Nach Ansicht des "Objektivisten" D. K. Simonton ergibt sich die Punktzahl jedes Präsidenten aus der fabelhaften Formel

(0,17 x j) + (0,26 x k) –

(1,7 x s) + (0,89 x t) + (0,82 x h) -1,24

wobei

j = Amtszeit (in Jahren)