Von Matthias Naß

Phnom Penh

Christoph Wächter blickt auf und lacht. Der Schweiß perlt über seine gerötete Stirn. Im früheren Professorenwohnheim der Universität von Phnom Penh steht die Hitze des späten Nachmittags. Er sei gleich soweit, sagt der Oberstabsarzt aus München. Dann taucht er in seinem Zimmer mit dem Feldbett und dem darübergespannten Moskitonetz den Feudel wieder in den Wassereimer.

Der Chef wischt selbst. Und die Truppe folgt dem Beispiel ihres Kommandanten, wenn auch manchmal erst nach einer knurrenden Aufforderung ("Mach mal die Kippen hier weg!"). Eine Weile müßten seine Ärzte eben ohne die "türkischen Putzfrauen" auskommen, sagt Wächter vergnügt. Prompt begegnen wir beim Rundgang durch das Feldhospital einem Mediziner, der den Boden der Intensivstation fegt.

Die ersten deutschen Soldaten, die an einer UN-Friedensmission teilnehmen, trafen vor gut drei Monaten in Kambodschas Hauptstadt ein. Dort sollen sie die rund 22 000 Angehörigen der Untac (United Nations Transitional Authority in Cambodia) medizinisch betreuen. Selbstbewußt zeigen sie an der Straße zum Flughafen Pochentong Flagge: Neben dem Blau der Vereinten Nationen weht Schwarzrotgold am vierstöckigen Gebäude mit seinen weißen, vom Tropenregen graugefleckten Mauern.

Bis zur Bildung einer neuen Regierung, die aus den für Mai angestrebten Wahlen hervorgehen soll, ist die Untac höchstes Exekutiv- und Kontrollorgan in Kambodscha. Als neutrale Instanz soll sie dem Land nach mehr als zwei Jahrzehnten des Krieges und der Unterjochung den Weg zur nationalen Aussöhnung ebnen. So will es das Pariser Friedensabkommen vom Oktober 1991.

Die Bundeswehr stand gewissermaßen Gewehr bei Fuß, als die Vereinten Nationen die Bonner Regierung baten, sich mit einem medizinischen Team in Kambodscha zu beteiligen. Bis nach Indochina reicht die Blutspur deutscher Eroberungsfeldzüge nicht, also gab es keine historischen Bedenken gegen einen Einsatz dort. Und wer kann sich unverdächtiger das blaue Barett aufsetzen als die Sanitätssoldaten? Die Mediziner bilden die unangreifbare Vorhut für die deutsche Teilnahme an regulären Blauhelmeinsätzen. "Politisch lautet unser Primärauftrag: Guckt doch mal, was es da für Probleme gibt", sagt Christoph Wächter.