Die Geschichte ist nicht neu. Sie hat sich schon viele Male wiederholt, und sie wird noch oft erzählt werden.

Im Frühjahr 1991, als er noch der erfolgreichste Regisseur Amerikas war, schloß David Lynch einen Vertrag. Darin verpflichtete er sich, für die französische Produktionsgesellschaft Ciby 2000 in den nächsten fünf Jahren drei Filme zu drehen, und Ciby 2000 verpflichtete sich, ihm dafür insgesamt 58 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen. Für Lynch war dieses Geschäft, nach seinen Triumphen mit dem Film "Wild at Heart" (der in Cannes die Goldene Palme gewann) und der Fernsehserie "Twin Peaks" (die in Amerika teilweise sensationelle Einschaltquoten erzielte und erst nach dreißig Folgen ihren Geist aufgab), die notwendige Konsequenz einer großen Karriere. Für Ciby 2000 war es der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Hollywood produziert, Europa finanziert.

Inzwischen, nachdem ein paar Geschäfte geplatzt, ein paar Projekte verschoben und ein paar Millionen versickert sind, erwägt die französische Produktionsfirma, ihr Büro in Hollywood wieder zu schließen. Auch andere europäische Investoren haben aufgegeben: Giancarlo Paretti, der Mann, der MGM kaufen wollte, steht wegen Betrugs vor Gericht, der Gaumont/Pathé-Konzern kämpft darum, seine Verluste in Grenzen zu halten, und die Penta-Film des italienischen Mediengiganten Silvio Berlusconi zieht sich kleinlaut von der Pazifikfront hinter den Atlantikwall zurück. Der Angriff Europas gegen die Zitadelle der Kinoindustrie ist zusammengebrochen. Durch die leeren Konten, die toten Verträge, die aufgegebenen Produktionsbüros weht der Wind, und Hollywood bleibt Hollywood.

David Lynch aber kam nach Cannes und gab eine Party, ein Feuerwerk und viele Interviews, um die erste Frucht seiner Verbindung mit Ciby 2000 vorzustellen: "Twin Peaks – Fire Walk With Me". Wenigstens dieses Geschäft hatte sich gelohnt: Zehn Millionen hat der Twin-Peaks-Film gekostet, aber allein der internationale Vorverkauf brachte den Produzenten das Doppelte dieser Summe ein. Der Film war ein Erfolg, noch bevor ihn irgend jemand gesehen hatte. Die Kritiker in Cannes indessen waren von "Twin Peaks" weniger überzeugt als die blind buchende Kinobranche. Nachdem er die ersten Verrisse seines Werks gelesen hatte, beeilte sich Lynch zu erklären, dieser Film sei der beste, den er bisher gedreht habe. Als er das sagte, klang es nicht wie ein Scherz. Es war aber einer.

"Twin Peaks – Der Film", wie der deutsche Verleih mit teutonischer Deutlichkeit titelt, ist weder ein Meisterwerk noch überhaupt ein Film, sondern eher das traurige Resultat eines typischen Verhandlungsgesprächs zwischen unerfahrenen (europäischen) Produzenten und einem geltungssüchtigen (amerikanischen) Regisseur. "Könnten Sie nicht ihren Superhit XY für uns wiederholen?" – "Klar, ich drehe einfach XY, Teil zwei." Der "Superhit", die Fernsehserie "Twin Peaks", war allerdings nach dreißig Folgen derart effektvoll ins dramaturgische Chaos gestürzt, daß jede Fortsetzung nur unnötige Klarheiten gebracht hätte. "Dann erzähle ich halt, was vorher passiert ist." – "Gemacht."

"Twin Peaks", der Film zur Fernsehserie, erzählt aus den letzten sieben Tagen im Leben von Laura Palmer. Laura (Sheryl Lee), das blonde Collegegirl aus dem Bergstädtchen Twin Peaks, wird von Dämonen verfolgt. Einer der Bösewichte heißt Bob (Frank Silva) und sitzt im Körper von Lauras Vater Leland (Ray Wise). Er (der Vater, der Dämon) kriecht unter Lauras Bettdecke, lockt sie im Traum in einen geheimnisvollen "roten Salon", verführt sie zum Drogen- und Geschlechtsgenuß und schlägt sie am Ende tot. Für Gewohnheitszuschauer der Serie "Twin Peaks" ist diese Handlung, um es milde auszudrücken, ein alter Hut. Für Uneingeweihte ist sie, um es schroffer zu sagen, schlichter Unsinn.

In "Twin Peaks", der Serie, war Laura Palmer nur als Leiche, als Photographie und Videobild oder als Wiedergängerin in Gestalt ihrer Cousine Maddy vorhanden; sie "weste ab", wie Dr. Lacan und Mr. Heidegger das wohl formuliert hätten. Überhaupt weste in Lynchs Fernsehgeschichte vieles (die Logik, die Spannung, die Glaubwürdigkeit) eher ab als an, was der Serie zwar eine kleine Fangemeinde und die Sympathien einiger poststrukturalistischer Wirrköpfe eintrug, aber die an "Diskursen" uninteressierten Zuschauer auf die Dauer langweilte.