Was für ein einzigartiges Land, wo sich das Unverträgliche ständig vereint – auf jedem Stück Feld, an jeder Straßenecke", notierte Victor Hugo 1843 in Pamplona, und Hans Christian Andersen fühlte sich wie im Paradies, als er, nach Rüttelfahrt auf der spanischen Diligence, den Palmenwald von Elche erreichte. Spanien war – vor TUI und LTU – das exotische, romantische Reiseland par excellence, Mohrenland in Europa, abschreckend fremd und anziehend zugleich, sinnlich, schroff und ungezähmt, darin Italien weit überlegen. Dem Bild und Selbstbild Spaniens in Reiseberichten zwischen 1830 und 1930 geht eine ebenso gelehrt kommentierte wie geschickt ausgewählte Anthologie nach, die der Frankfurter Hispanist Friedrich Wolfzettel herausgegeben hat, ein bedenkens- und lesenswertes Buch, Landeskunde wie Kompendium zur Selbstprüfung des Spaniengefühls heute. TG

  • Spanische Wanderungen 1830-1930

Friedrich Wolfzettel (Hrsg.)

Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1991; 290 S., 48,– DM