Manchmal hat die Merian-Redaktion sehr viel Schwein mit der Aktualität, ein dänisches Glücksschwein sozusagen: Kaum hatte die Fußballequipe um Tormann Peter Schmeichel den Europameistertitel errungen, kaum hatte der phänomenale Sommer nördlich des Fehmarnsunds begonnen, und nur wenige Wochen nach dem dänischen Votum wider die Europäische Union kommt ein Merian-Heft "Kopenhagen und Dänemark" auf den Markt.

Und um es vorwegzusagen: Es ist schmuck, es liest sich leicht und ist zudem die rechte Lektüre über einen Kulturkreis, der hierzulande ebensooft verniedlicht wie verharmlost wird. Dan Turells charmantes Portrait Vesterbros, "Kopenhagens muntere Mitte", gehört sicher zu den Leckerbissen des Hefts, ebenso Johannes Gamillschegs Reportage über die menschlichen und ökonomischen Befindlichkeiten rund um die größte Baustelle des Landes – am Großen Belt, dort, wo die Brücke zwischen Seeland und Fünen gebaut wird.

Auch der Bericht über Louisiana, das weltberühmte Haus der modernen Kunst nahe Kopenhagen, gehört eindeutig zu jener Sorte von Artikeln, die Rücksicht nehmen auf Leute, denen Kunst gemeinhin egal ist: Dieses Plädoyer macht Appetit, auf dem Weg nach Helsingør nicht an Louisiana vorbeizufahren.

Und doch: Trotz aller Mühe, ein rundes Bild über das Dänische, über Dänemark und die Dänen zu zeichnen, also einen Reiseführer zu entwerfen, der nicht nur eifrig aus den Broschüren der Touristikämter abschreibt und deren Hochglanzversprechungen traut, fehlt es bisweilen an Skurrilem, man ging auf Nummer Sicher.

Das Unernsthafte mag die Merian-Redaktion offenbar nicht. Beispielsweise die Frage, welche Bedeutung Frauen wie Vivi Bach, Dorthe oder Gitte für das Dänenbild der Deutschen hatten und haben. Oder: Warum klingt das Dänische in deutschen Ohren so niedlich? Andersherum: Was ist es, das die Deutschen dänische Lebensart als lässig, entspannt und gewissermaßen mediterran wahrnehmen läßt? Sei’s drum: Das ist kein Schaden, nur schade. JaF

  • Merian:

Kopenhagen und Dänemark

Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1992; 140 S., Abb., 14,80 DM