Brot und Spiele für das amerikanische Volk: Keiner greift so tief in die Mottenkiste der Wahlversprechen wie George Bush, seines Zeichens noch Präsident der Vereinigten Staaten und derzeit auf einem "neuen Kreuzzug". Vorige Woche auf dem Parteifest seiner Partei versprach er noch, die Steuern auf breiter Front zu senken – trotz eines Defizits von 400 Milliarden Dollar allein in diesem Jahr. Weil er nicht sagte, wie er dieses Versprechen einlösen kann, kauften ihm nur wenige sein simples Programm ab.

Also versucht der Mann im Weißen Haus es diese Woche mal auf andere Art: Entgegen seinem Gelöbnis, die Staatsausgaben mindestens einzufrieren, schlägt er jetzt vor, zehn Milliarden Dollar zusätzlich lockerzumachen für ein neues Ausbildungsprogramm. Damit will er vor allem sozial schwache Wähler locken, die er in den vergangenen vier Jahren vergrault hat. Doch von den Lippen des Präsidenten ist noch etwas anderes abzulesen: Der Mann hat kein zusammenhängendes Konzept für seine Wirtschaftspolitik – und ihm wird wohl auch keines mehr einfallen. he