Von Wolfgang Kubicki

KIEL. – Oskar Lafontaine ist ein Frauenfeind. Warum? Er hat unlängst das Frauenministerium von der saarländischen Kabinettsliste gestrichen. Dagegen ist sein Bundesvorsitzender und schleswig-holsteinischer Kollege, Björn Engholm, ein wahrer Frauenfreund. Er berief 1988, zu Beginn seiner Amtszeit, Gisela Böhrk zur ersten Frauenministerin eines Bundeslandes.

So einfach ist das also: Die pure Existenz eines Frauenministeriums garantiert eine "frauenfreundliche Politik"?

Daß die vom Grundgesetz garantierte Gleichberechtigung von Mann und Frau bisher nur auf dem Papier steht, bestreitet wohl ernsthaft niemand. Aber es kommt in sogenannten "frauenbewegten Kreisen" offenbar einem Sakrileg gleich, Zweifel an der "Frauenfreundlichkeit" von Frauenministerien zu äußern. Den Vorwurf des "Chauvinismus" oder "falschen frauenpolitischen Bewußtseins" provoziert man da schnell. Ideologie spricht immer auch ihre eigene Sprache...

Doch welches Frauenbild verbirgt sich hinter der Idee, Frauen brauchten ein eigenes Ministerium, in dem ausschließlich "Frauenfragen" verwaltet werden?

Solchen Überlegungen entsprangen offensichtlich auch Förderungsmaßnahmen wie die bevorzugte Berücksichtigung von Frauen bei Stellenbesetzungen: Die Einstellung der betroffenen Frauen wird als bloße Folge der Fördermaßnahme angesehen; ihre Qualifikation wird um so mehr in Frage gestellt – die Quotenfrau läßt grüßen.

Mehr Ganztagsangebote an Schulen, mehr Teilzeitarbeit, besondere Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Mütter, die wieder außer Haus berufstätig werden wollen, Wohnraumangebot für Frauen, steuerliche Anreize für die berufliche Wiedereingliederung von Frauen, die nach familienbedingter Unterbrechung wieder ihren Beruf aufnehmen wollen – diese und viele andere Maßnahmen fordere ich als Liberaler und halte sie für frauenpolitisch sinnvoll. Daß zur Durchsetzung dieser Forderungen ein eigenes Frauenministerium nötig ist, muß mir erst jemand plausibel machen.