Dänemark kam dabei noch glimpflich davon. Die Kopenhagener Finanzaufsicht hatte die dänischen Institute an einer vergleichsweise kurzen Leine gehalten. Außerdem hatte die restriktive Finanzpolitik der Regierung den dänischen Immobilienmarkt ohnehin weitgehend abgewürgt.

Die größere Vorsicht bei den Immobilien bewahrte die Dänen allerdings nicht vor Größenwahn in anderer Hinsicht: Nur große Unternehmen, so die Einschätzung, seien für den europäischen Binnenmarkt gerüstet. Entsprechend rollte in den achtziger Jahren eine einmalige Fusionswelle über die dänische Finanzlandschaft. Unter anderem schlossen sich 1989 sechs große Kreditinstitute zu zwei Mega-Banken zusammen. Nun sind auf den Marktplätzen dänischer Städte nicht selten drei Bankfilialen mit ein und demselben Logo zu sehen. Die erwarteten Rationalisierungsgewinne blieben aber häufig aus. Um ihre Marktanteile zu halten, wenn möglich auszubauen, schalteten die Banken auf risikobereite Darlehenvergabe. Die Quittung in Form hoher Kreditverluste ließ nicht lange auf sich warten. Die Unibank, eine der Mega-Banken, veröffentlichte kürzlich den Abschluß für das erste Halbjahr 1992: minus 1,4 Milliarden Kronen.

Auch der Versicherungskonzern Hafnia sollte zu den ganz Großen gehören – jedenfalls nach dem Ehrgeiz des damaligen Vorstandsvorsitzenden Per Villum Hansen. Sein Augenmerk fiel auf den Baltica-Konzern, Dänemarks größten Versicherer und Hafnias Hauptkonkurrent. Im Frühjahr 1989 begann Per Villum Hansen in aller Stille Baltica-Aktien aufzukaufen. Die Hafnia-Versicherungen selbst durften ihr Vermögen nicht in spekulativen Aktieneinkauf einsetzen, aber die Hafnia-Holding als Eigentümerin unterlag keinen Beschränkungen. Die Sache ging gut, solange die Aktienkurse stiegen.

Allerdings blieb dem Baltica-Vorstand Villum Hansens Angriff nicht lange verborgen. Um die feindliche Übernahme abzuwehren, verbündete sich Baltica mit dem französischen Konzern Suez/Victoire und dem dänischen Pensionsfonds ATP. Suez/Victoire wurde größter Einzelaktionär bei Baltica.

Per Villum Hansen gab jedoch nicht auf. Im November schien er seinem Ziel nahe zu sein: Er besaß mehr als ein Drittel der Baltica-Holding-Aktien. Damit konnte er Statutenänderungen des Rivalen blockieren. Doch an die entscheidenden Aktienpakete kam Villum Hansen nicht mehr heran, seinem Konzern drohte derweil finanziell die Luft auszugehen. Trotzdem präsentierte er im November 1991 die nächste Überraschung. Zusammen mit dem norwegischen Versicherer Uni Storbrand versuchte er eine Übernahme des schwedischen Versicherers Skandia. Zusammen sollten Hafnia, Uni Storbrand, Skandia und die finnische Pohjola einen neuen Versicherungsgiganten bilden, die Nordic Cooperation. Doch die Schweden stellten sich quer, aus der Nordic Cooperation wurde nichts.

Spätestens Ende 1991 geriet Hafnia dann in die Klemme. Villum Hansen hatte zwar viele Aktien gekauft, konnte aber weder bei Baltica noch bei Skandia entscheidenden Einfluß gewinnen. Und nur mit gigantischen Kursverlusten hätten sich die Aktienpakete wieder abstoßen lassen. Scheinbar unaufhaltsam fielen die Kurse, unerbittlich schmolz Hafnias Guthaben zusammen.

Am 8. April dieses Jahres kostete das Desaster Per Villum Hansen seinen Job. Es war auch noch herausgekommen, daß er aus Geldnot illegale Transaktionen zwischen den Konzernteilen vorgenommen hatte.