Der dramatische Dollarkursverfall hat fast alle Weltbörsen in Mitleidenschaft gezogen, auch den deutschen Aktienmarkt. Der Deutsche Aktien-Index (Dax) ist parallel zum Dollar gefallen und hat ohne Probleme die Marke von 1500 nach unten durchbrochen. Pessimisten sehen den nächsten ernsthaften Widerstand erst bei 1300. Danach sei dann mit einem nachhaltigen Aufschwung zu rechnen.

Solche Prognosen sind sicherlich übertrieben, aber sie beeinflussen die Stimmung und führen zu einer noch stärkeren Zurückhaltung, als sie bisher schon bestanden hat. Von den Kursverlusten ist nahezu der gesamte Markt betroffen, obwohl der schwache Dollar eigentlich nur den Aktien der exportorientierten Unternehmen schadet. Kursdrückend wirken neben der Währungssituation auch die hohen Zinsen. Da das Wachstum der deutschen Geldmenge vorerst offenbar keine Zinssenkungen erlaubt, wird mit rückläufigen Zinsen allenfalls zu Beginn des neuen Jahres gerechnet.

Dennoch zeichnet sich am Rentenmarkt ein leichter Rückgang der Renditen ab. Das ist eine Folge des verstärkten Zustroms von Auslandsgeldern, die von den hohen deutschen Zinsen profitieren wollen. Selbst wenn es möglicherweise noch zu einer Lombardsatzanhebung kommen sollte, so sind doch zahlreiche Rentenexperten der Meinung, daß die Rentenrenditen in etwa ihren Höhepunkt erreicht haben und daß es an der Zeit ist, von Termineinlagen auf Anleihen und Pfandbriefe umzusteigen.

Dagegen werden Kaufempfehlungen für Aktien immer seltener, zumal die Zwischenberichte großer Konzerne nicht viel Zuversicht ausstrahlen. Einigermaßen zufrieden waren die Börsianer mit dem Halbjahresbericht der Bayer AG. Der Konzerngewinn vor Steuern ist gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres "nur" um knapp zehn Prozent zurückgegangen. Das läßt Hoffnung auf die Beibehaltung der Voijahresdividende keimen.

Mit Spannung wird dem Zwischenbericht von Daimler entgegengesehen. Der Kurs der Daimler-Aktien hat die Marke von 600 deutlich nach unten durchbrochen. Sein bisheriger Höchststand lag in diesem Jahr bei 815 Mark.

Verheerend hat sich die Situation bei den Optionsscheinen entwickelt. Ihre Kurse haben seit Jahresbeginn rund zwanzig Prozent eingebüßt. Zahlreiche auslaufende Scheine erweisen sich jetzt als wertlos. K. W.