Wir Flaschenkinder

"Maggie May bekam heraus, daß nur Männer tranken", schreibt Upton Sinclair 1931 in seinem zeitlos gültigen Roman "Alkohol". Und die Frauen? "Die Frauen hatten nur den Kummer davon." Wir wollen für heute keine weiteren misogynen Gedanken daran verschwenden, inwieweit dieser weibliche Kummer von jenem Unglücke herrührt, das die Frauen über ihre Männer bringen, sondern uns ausnahmsweise an die nackten Tatsachen halten. Jener hochprozentige Kummer der Frauen ist ausgerechnet der Hamburger Verbraucher-Zentrale sauer aufgestoßen. Hat sich doch eine mineralwasserproduzierende Firma erfrecht, ihre Naßerzeugnisse in einer Sprache an den Säufer zu bringen, die diesem höchst vertraut klingt. "Ich trinke schon vor der Schule", verkündet etwa ein ziemlich kurzer und überdies gelb gewandeter Eleve von der Litfaßsäule herab. Andere bekennen sich schamlos aber markentreu als "Hella-holics", während eine dritte Gruppe sich bereits erster Therapieerfolge rühmt: "Seit ich trinke, geht’s mir besser." Sie trinken alle nur das eine: Selters, das aber mit reichlich Gelb versetzt. Derartige Lobsprüche auf das klare Wasser seien, so die Verbraucherschutzengel aus Hamburg, womöglich geeignet, dem Suffe Vorschub zu leisten. Wie das? Einige der besten Freunde von ehemaligen Alkoholikern klagen, daß mit derlei vorgeblich beschwipsten Reklamesätzen einige ihrer besten Freunde verunsichert würden (wohl weil ihnen die ungemischte Freude am Trockensein vergällt wird). Da könnten sie ja gleich wieder zu saufen anfangen. Und die Frauen, s.o., hätten wieder den Kummer. Oder wie es beim größten Dichter der Deutschen heißt, einem auch sonst stocknüchternen Manne, der es an guten Tagen gleichwohl auf seine drei Flaschen Rüdesheimer brachte: "Nachbarin, euer Fläschgen!"

Christian-Wagner-Preis für Leising

Ein neuer Lyrik-Preis, benannt nach dem (ungenau) als "Bauern-Dichter" bezeichneten Christian Wagner aus Warmbronn bei Leonberg (1835-1918), wird am 4. September in Leonberg zum ersten Mal verliehen. Die Auszeichnung (10 000 Mark), gestiftet von Wagner-Gesellschaft und Leonberger Bausparkasse, erhält der 1934 in Chemnitz geborene Schriftsteller Richard Leising für seinen vielgerühmten ersten Gedichtband "Gebrochen deutsch" (Verlag Langewiesche-Brandt). Was Tucholsky über Wagner gesagt hat, übertragen wir gern auf Leising: "Wohl wert, daß wir ihn alle läsen und verehrten."