Geschmierte Grenzer

Die Grenzen im Osten Europas sind noch immer wenig durchlässig. Am einzigen Übergang zwischen Polen und Litauen stehen oft kilometerlange Autoschlangen. Wer durch das Nadelöhr zwischen Ogrodniki und Lazdijai will, sollte zwei volle Tage Wartezeit einkalkulieren, warnen zurückgekehrte Stauopfer. Es gibt kein Restaurant und kein Wasser. Lebenskünstler braten sich ihre Kartoffeln auf der Kühlerhaube. Andere stellen Mutmaßungen an über eine Mafia, die den Grenzübergang beherrsche. Tatsache ist, daß "Grenzstauvorlasser" die Wartezeit erheblich verkürzen. Westgeld wirkt wie Öl auf dem rostigen Scharnier des Tors zum Baltikum: Für rund 200 Mark setzt sich ein Grenzbeamter mit ins Auto, und man darf die Schlange überholen.

Rote Nostalgie

"Moskauer Nächte", so heißt ein Vergnügungspark im Norden der russischen Hauptstadt, der in der nächsten Woche eröffnet werden soll. Vor Jahren wurden auf dem Gelände die Leistungen der sowjetischen Wirtschaft präsentiert – auch ein Thema, über das herzlich gelacht werden könnte. Der zukünftige Rummel soll sich auf die Ära Chruschtschow konzentrieren, auf das Imperium des rundlichen Nikita mit dem Schuh, der von 1953 bis 1964 regierte. Auch die Russen erinnern sich also nostalgisch an ihre "fünfziger Jahre". Prominente Politiker spielen historische Ereignisse nach (Doppelgänger, versteht sich). Noch einmal kann man Gagarin, dem ersten Menschen im Weltall, die Hand schütteln und den Signalen des Sputnik-Satelliten lauschen. Aber auch über eine Grusel-Abteilung verfügt der Park: Hier werden die Verbrechen Stalins vorgeführt.

Heilige Kuh

Muß eine heilige Kuh der Deutschen auf dem Altar der europäischen Einheit geopfert werden? Es geht – wieder einmal – um das Reinheitsgebot für Bier. Bereits 1987 hatte der Europäische Gerichtshof die Deutschen gezwungen, ausländisches Bier mit verpönten Zusätzen auf den heimischen Markt zu lassen. Deutschen Herstellern konnte die Bundesregierung allerdings weiterhin verbieten, mit anderen Bestandteilen als Hopfen, Gerste, Hefe und Wasser zu brauen. Jetzt plant die EG eine neue Verordnung: Danach dürfen zumindest in alkoholfreien Bieren aus deutscher Produktion auch andere Zutaten schwimmen. Vergeblich hat EG-Kommissar Martin Bangemann Widerstand geleistet. Die letzte Hoffnung deutscher Puristen ist der Bundeskanzler. Helmut Kohl soll versprochen haben, "persönlich einzugreifen, wo immer es nötig sei".

Wechsel in der Literatur

Dr. Volker Hage, seit sechs Jahren Literaturchef der ZEIT, wechselt in die Redaktion des Spiegel. Seine Nachfolge hat Iris Radisch angetreten, die seit zwei Jahren bei der ZEIT ist.