Von Iris Radisch

Novi Sad

Was ist eigentlich los? Worum geht es in diesem Krieg?

Es ist nichts los und sehr vieles. Nichts, weil überhaupt nichts gelöst wird und weil es ohne den Krieg auch gegangen wäre. Es gab von Anfang an eine Spannung. Diese Spannung hat zivilisatorische Gründe. Die eine Hälfte von Jugoslawien war seit Jahrhunderten unter dem ottomanischen, dem türkischen Reich mit allem, was so eine orientalische Herrschaft bedeutet. Diese Hälfte war orthodox. Im Westen gab es eine österreichisch-ungarische Herrschaft, und die Religion war westlich, also katholisch und protestantisch. In der Mitte gibt es eine Bevölkerung, die islamisch ist. Das ist der Konflikt. Aber kein Grund für einen Krieg.

Findet der Krieg vor allem in den Köpfen statt?

Ganz sicher. Die Ursache liegt in der tödlichen Mentalität. Außerdem in der sehr speziellen Lage der Serben. Die Serben sind in einem großen Teil Jugoslawiens, die anderen Völker haben ihre Gebiete. Die Serben wohnen auch in Kroatien, auch in Bosnien. Deswegen hatten sie eine größere Bindung zu Jugoslawien, weil das das Land war, in dem sie zusammenleben konnten. Jetzt sind sie in einer hysterischen Situation. Auf einmal wurden diese alten Kontakte unterbrochen. Diese Gebiete, die sich separiert haben, haben außerdem einige Fehler begangen. In Kroatien zum Beispiel wurden die Serben in der neuen Verfassung nicht einmal erwähnt. Die Serben sollten Kroaten werden, die offizielle Sprache war Kroatisch.

Und deshalb schießen sie?