Zweifellos ist es das gute Recht der FDP, den österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider zu einem Vortrag und einer Diskussion einzuladen, zumal wenn es angeblich um Europa geht. Schließlich ist Haider Vorsitzender jener Partei des Nachbarlands, die dank Geleitschutz durch die Bonner FDP nach wie vor der Liberalen Internationale angehört. So ist Haiders Verein eine Schwesterpartei der Partei Lambsdorffs, Genschers und Kinkels. Wie unverfänglich.

Die Einladung ist auch aufschlußreich. Wie verzweifelt muß die Lage dieser Partei sein, daß sie, um auf sich aufmerksam zu machen, ausgerechnet diesen Mann zu Hilfe ruft? Wie weit ist die Partei Thomas Dehlers und Karl-Hermann Flachs in ihrer Selbstachtung gesunken, daß sie sich den opportunistischen Rechtsaußen des Wiener Parlaments zu einem politischen Folkloreabend ins einstige Stammland der Liberalen holt?

Bonn ist nicht Cannstatt? Alles nur eine Frage von Mut und Ehrlichkeit. Die FDP sollte daher den feschen Lodenmann zum Parteitag nach Bremen bitten, als Gastredner zum Thema "Liberalismus, richtig verstanden" und als Ratgeber für Ausländerfragen: Ein großer Andrang wäre ihnen garantiert. wap