Eine Autobiographie als Geschichte ewigen Scheiterns? Unvorstellbar. Denn das Genre hat gewiß allerlei zu bieten, dralle Lebenslüge, vornehme oder plumpe Auslassungen, Klatsch und Tratsch und hanebüchene Eitelkeit – nur das eine zumeist eben nicht: die Suche nach Wahrheit, die Lust an der Erkenntnis.

Albrecht Joseph (1901 bis 1991) ist ein Verschollener aus einer Generation, die nichts zu gewinnen hatte. Regieschüler in Frankfurt bei Gustav Hartung und Richard Weichert, Wunderknabe bei Jessner im Berlin der Mittzwanziger, Zuckmayer-Federhalter; nach 1933 dann anonymer Drehbuchschreiber, im US-Exil Sekretär für Emil Ludwig, Thomas Mann und Franz Werfel, schließlich, mehr als zehn Jahre, Cutter der Fernsehserie Gunsmoke, bei uns bekannt geworden als Rauchende Colts. Ein Happy-End, beinahe noch? Jedenfalls ging es ihm in seinen letzten Lebensjahren wenigstens finanziell nicht schlecht.

Josephs lakonische Erinnerungen („Ein Tisch bei Romanoffs. Vom expressionistischen Theater zur Westernserie“; Erinnerungen; Juni-Verlag, Mönchengladbach; 246 S., 23,– DM) konnten leider erst ein halbes Jahr nach seinem Tode erscheinen. Weil sich mal wieder kein Verlag erbarmen wollte. Und auch dieser hier das Risiko nur mit einem Zuschuß des Deutschen Literaturfonds einging. Joseph liefert so etwas wie die Bilanz seiner versammelten Niederlagen. Resümee eines Mannes, der „lange im Schatten gelebt“ hat. Das ist keine große Literatur. Das ist auch nicht frei von Eitelkeit und mancher Anzüglichkeit eines alten Mannes.

Aber: Josephs Buch macht nachdenklich, müde und melancholisch. Seine Erzählung ist eine einzige Desillusionierung über Menschen, Kulturinszenierungen, das Leben oder menschliche Existenz überhaupt. Wie wenig von einem Leben bleibt. Wie verstiegen die Höhenflüge der Jugend sind. Wie alles Streben nichts ist und Erfolg von ganz anderen Dingen abhängt: von Prostitution, viel Geld und noch viel mehr „Schiebungen, Bestechungen und Manövern aller Art“. Ja, ernüchternd und ermutigend zugleich. Einer blieb anständig, ohne abzustürzen.

Stefan Berkholz