KÖLN. – Bald naht wieder die Zeit, da der Erste Polizeihauptkommissar Rainer Herrmanns aufbricht, um sich bei den alljährlich im Herbst stattfindenden Hengstkörungen zu tummeln. Nicht um irgendwelche kriminellen Machenschaften geht es ihm; auch interessieren ihn nicht die preisgekrönten Zuchterfolge – im Gegenteil: Die "abgekörten" Hengste, also diejenigen, die nicht zur Zucht zugelassen wurden, die Verlierer haben es dem Polizisten angetan.

Bei Herrmanns können es die Gescheiterten noch zu etwas bringen. Er leitet die Kölner Polizeireiterstaffel. Das ist nicht irgendeine, sondern die Kaderschmiede für alle nordrhein-westfälischen Polizeipferde. Egal, in welcher der zwölf Reiterstaffeln des Landes sie dereinst ihren Dienst versehen werden – erst mal gehen sie durch Herrmanns’ Schule. Das gleiche gilt für die Beamten: Wer sich nach der Grundausbildung für den Dienst im Sattel bewirbt, landet bei Herrmanns.

Die Reiterstaffel ist versteckt, im Kölner Süden in einer Art Industriegebiet untergebracht. Hinter Bürohäusern diverser Polizeidienststellen, vorbei an einer Großfunkstelle und der – erfreulicherweise gerade verwaisten – Diensthundestaffel, tauchen die Stallungen auf: große, langgestreckte Gebäude einer ehemaligen Kavallerieeinheit der Wehrmacht. Der Hof ist gepflastert, Enten tummeln sich auf einer Wiese, es riecht nach Pferdemist. "Ich versuche, das hier wie ein Gestüt zu gestalten", erläutert Herrmanns, "man soll nicht denken, man sei auf einem Garagenhof."

In der Reithalle dreht ein junger Beamter gerade auf einem Pferd einsame Runden: Trab, Galopp, Trab, mal quer durch die Halle, mal an der Wand entlang. Drei Gruppen von Pferden gibt es hier: 22 Einsatzpferde, die längst ausgebildet sind und regulären Polizeidienst verrichten, dann acht Schulungspferde, "erfahrene Pferde", wie Herrmanns sagt, auf denen die Beamten Reiten lernen, und schließlich zwölf bis sechzehn Remonten, jene jungen Pferde, die Herrmanns auf Körungen ersteht und die hier zu Polizeipferden gedrillt werden. Der Beamte dreht immer noch seine Runden in der Reithalle. Es ist schwer zu erkennen: Wer bildet hier wen aus? Herrmanns lächelt geduldig: "Der Polizist das Pferd."

Ein Jahr dauert die Remonten-Ausbildung (die Reitkurse der Beamten nur sieben Monate). Zunächst werden die jungen Hengste kastriert, sonst wären sie "zu temperamentvoll". Neben den "drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp", so Herrmanns, lernen sie das Stadtleben und die besonderen Bedingungen des Polizeialltags kennen. "Wir haben hier Pferde, die kommen zum Beispiel aus dem Alten Land bei Hamburg", erläutert der Staffelleiter. "Die haben vorher höchstens mal ’n Ochsen auf der benachbarten Wiese gesehen." In Köln werden diese Landpomeranzen dann erstmals mit Häusern, Autos und Straßenbahnen vertraut gemacht. Ein besonderes Erlebnis sei jedesmal, wenn ein Lkw beim Bremsen Druckluft abläßt: "Dieses Zischen ist den Pferden ganz ungeheuer."

Der Kölner Karneval scheint den Tieren auch nicht geheuer zu sein. Um die Pferde auf das jecke Treiben am Rosenmontag einzustimmen, habe man in der Reithalle mit ihnen einen "Vor-Karneval" gefeiert, berichtet Herrmanns. "Mit Luftballons, Konfetti und Feuerwerk, aber da drehten die durch."

Nach einem Jahr Ausbildung jedoch, versichert Herrmanns, seien die Tiere von stoischer Ruhe. Sie lassen sich große Gummibälle an den Kopf werfen und zeigen keine Regung. Einige sind sogar schon halbe Stuntman-Pferde; mit ihnen veranstaltet Herrmanns’ Staffel in den Pausen großer Turniere Schauvorführungen, sie springen über Polizeiautos oder durch brennende Feuerreifen.