Von Klaus-Peter Schmid

Brüssel

Stoppt die Eurokraten! Der Ruf hallt durch die Länder der Europäischen Gemeinschaft. Brüssel maßregelt uns, ersinnt immer neue Schikanen, kümmert sich um Dinge, die es nichts angehen – Schluß damit! Was soll der Unsinn mit der EG-Einheits-Erbsenschote, dem Euro-Kondom oder dem bis zur letzten Schraube vereinheitlichten Rasenmäher? Muß sich die Kommission unbedingt Gedanken über die Breite eines Traktorsitzes machen und die Frage regeln, wie ein Zoo zu betreiben ist?

Die britische Sunday Times macht sich zum Sprachrohr des Unwillens: "Dies ist das wahre Gesicht des Gemeinsamen Marktes: eine Welt von Anordnungen, Kontrollen, Einschränkungen und Vorschriften, die man nur als Euro-Irrsinn bezeichnen kann." Auch in deutschen Landen Wollen immer weniger immer mehr Europa. Auch hier geht das Wort vom "Regulierungswahn" der Eurokraten um. Fast nie hält einer dagegen und schimpft wie der Euro-Abgeordnete Klaus Hänsch: "Es ist schick geworden, die EG-Mitarbeiter herunterzuputzen."

Offen wird heute die Angst vor der Gleichmacherei im Namen Europas ausgesprochen. Viele Bürger werden sich mittlerweile bewußt, wie weit die europäische Gemeinsamkeit schon geht, wieviel in Brüssel und nicht mehr in den Hauptstädten entschieden wird. Und seitdem die Verträge von Maastricht auf dem Tisch liegen, wächst die Furcht, daß damit endgültig eine Super-Institution geschaffen wird, undemokratisch, unkontrollierbar, unerwünscht. Europa als Spielwiese für macht- und expansionshungrige Bürokraten – nein, danke!

Nichts veranschaulicht das Problem besser als die Geschichte vom Euro-Kondom. EG-Kommissar Martin Bangemann, so war zu lesen, möchte dem europäischen Bürger bei allen Verhüterli made in Europe eine Mindestgarantie an Reiß- und Zugfestigkeit bieten. Kein Problem, meinten angeblich die Partner und einigten sich auf die Standardlänge von sechzehn Zentimetern. Nur über den Durchmesser habe es dann Streit gegeben. Genüßlich wurde vermeldet, die Kommission beharre auf mindestens 55 Millimetern, während die Italiener höchstens 54 Millimeter tolerieren wollten.