Kaum zu glauben, aber manchmal bekommt die Vernunft eine Chance. Gerade erst lichtet sich der Nebel nach den ersten Schlachten um die Gesundheitsreform, da taucht unerwartet ein sehr sympathischer Vorschlag auf. Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Krankenkassen haben sich darauf verständigt, die Leistungen der Hausärzte besser zu vergüten. Bislang griffen die Fachärzte besonders herzhaft in den gemeinsamen Honorartopf. Ihre Leistungen, oft technischer Natur, werden besser bezahlt als Zuwendungsmedizin, die Stärke der Hausärzte.

Zeit ist Geld, und deshalb schleusen Ärzte ihre Patienten zu oft im Eiltempo durch die Praxen. Wenn künftig die Krankenkassen Gespräche oder aufwendige Hausbesuche höher bezahlen, dann werden die Hausärzte ihre Stärke besser ausspielen – zum Nutzen der Patienten, denn Gespräche helfen oft mehr als Pillen.

Doch halt: War nicht Sparen angekündigt? Will nicht Seehofer die Krankenkassen von Milliardendefiziten befreien und dafür auch von den Ärzten Verzicht einfordern? Nun aber sollen die Hausärzte besser bezahlt werden. Verkehrt sich die Reform ins Gegenteil?

Zwar kann die Zuwendungsmedizin Kosten sparen. Aber logisch wäre es gewesen, zusätzlich den gut verdienenden Fachärzten Verzicht abzuverlangen, damit die Einkommenslücke zu den Hausärzten schmaler wird. Aber die Mediziner halten zusammen. Dafür wollen sie der Pharmaindustrie ein Opfer aufbrummen; eigentlich Partner aus der gemeinsamen Lobbyfraktion, doch in der Not werden Freunde mitunter zu Konkurrenten. dk