Nachdem Jörg Haider, ein Österreicher, schon mit seinem Lob für die Beschäftigungspolitik der Nazis Furore gemacht hatte, griff er jetzt auch noch die Volkohne-Raum-These auf. In der Fernsehsendung „Talk im Turm“ (Sat 1) rechnete er vor, wie viele Menschen pro Quadratkilometer in den Vereinigten Staaten oder Kanada leben, die Wüsten und Eiswüsten natürlich eingeschlossen, und wie eng sich dagegen alles in Deutschland knubbelt. Was für ihn heißt, daß ein „absoluter Einwanderungsstopp“ einfach her muß.

Erich Böhme kann bei der Einladung des FPÖ-Gastes kein sehr gutes Gewissen gehabt haben, was schon die halb distanzierende Begrüßung andeutete, Haider sei ja eine – „na, eine Extremfigur“. Im übrigen halten es andere Sender ähnlich. Herein in den Salon!

Aber selbst wenn man die Einladungspolitik der Fernsehsender noch nachvollziehen kann, hier geht eben um Show um jeden Preis. Bleibt zu fragen, weshalb die Politiker mitspielen. Im Falle Haiders waren es Münchens Oberbürgermeister Kronawitter und der niedersächsische Bundesratsminister Trittin (Die Grünen). Aber es haben auch schon Peter Glotz mit Haider, Heiner Geißler mit Franz Schönhuber disputiert. Soll man das wirklich richtig finden, diesen Small talk mit den „na, Extremfiguren“?

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Auf diese Frage wird gestoßen, wer die Aufregung noch frisch in Erinnerung hat, die Bild gerade in Bonn auslöste. Die Zeitung ließ ihre Leser nämlich per Telephonumfrage beantworten, wen sie sich als Kanzler wünschen. Kohl? Weizsäcker? Schäuble? Rühe? Süssmuth? Engholm? Vogel? Franz Schönhuber?

Als wär’ es das Natürlichste von der Welt, tauchte auch der Republikaner-Chef in dieser Bildleiste auf. Wer im Fernsehen mit den klugen Köpfen der Republik streiten darf, der darf doch auch probehalber für eine TED-Umfrage als möglicher Kanzler getestet werden, nicht wahr?

Der Denkzettel folgte, 39 Prozent von 218 423 Anrufern plädierten für Schönhuber. Ein Denkzettel vor allem für Bild, das Blatt, das nun einen Eiertanz beginnen mußte, um zu erklären, weshalb das so ist, ohne erklären zu können, warum es Schönhuber überhaupt in sein Angebot aufgenommen hatte. Angeblich Selbstverständliches wird von den Medien erst dazu gemacht.

Die nächste Einladung hat Haider übrigens bereits. Am Wochenende ist er Stargast bei einem „Karl-Hermann-Flach-Disput“ in Bad Homburg. Gunter Hofmann