Von Hans Harald Bräutigam

Ärzte sprechen von der Ultima ratio, der letzten Behandlungsmöglichkeit, wenn sie in einer vermeintlich ausweglosen Situation glauben, ihren Patienten eine sogenannte „heroische“ Therapie empfehlen zu müssen. Ultima ratio ist in vielen Fällen fraglos die Herztransplantation, die eine lebensbedrohliche Herzschwäche abwenden kann.

Kranke mit schwerer Herzmuskelschwäche befinden sich in einem bedauernswerten Zustand. Sie müssen ständig nach Luft ringen und sind häufig so schwach, daß sie nicht einmal ein paar Treppenstufen steigen können, ohne völlig außer Atem zu geraten.

Hoffnung für diese armen Menschen keimte auf, als es dem südafrikanischen Chirurgen Christiaan Barnard im Jahre 1967 zum ersten Mal gelang, einem todkranken Patienten das intakte Herz eines Verstorbenen einzupflanzen. Seither ist diese chirurgische Technik enorm verbessert worden, und parallel dazu ist auch die Lebenserwartung der Operierten gestiegen. Gleichwohl muß diese Therapie heute nicht weniger kritisch betrachtet werden als vor fünfundzwanzig Jahren, denn sie wird inzwischen erstaunlich häufig vorschnell angewandt.

Gewiß: Bei der terminalen Herzinsuffizienz, die in kurzer Zeit zum Tod führt, halten die Fachleute den schweren Eingriff nach wie vor für die einzige Rettung. Diese Krankheit kann nach einem überstandenen, ausgedehnten Herzinfarkt entstehen. Sie tritt überdies als Folge einer maximalen Erweiterung des Herzens auf (primäre dilatative Kardiomyopathie). Deren Ursachen sind zum Beispiel Herzentzündungen oder manchmal auch übermäßiger Alkoholkonsum.

Doch obwohl Herzchirurgen und Narkoseärzte heute über eine Menge Erfahrung verfügen, die das Operations- und Nachbehandlungsrisiko erheblich verringert haben, ist eine Herztransplantation keineswegs ein Routineeingriff. Die Sterblichkeit an der Operation und im darauffolgenden Jahr ist mit zwanzig Prozent beträchtlich hoch. Darum verhalten sich die meisten Herzchirurgen zu Recht eher zögernd, wenn die Entscheidung für diesen Eingriff ansteht.

Leider nicht alle. In einigen Transplantationszentren herrsche eine „Euphorie in bezug auf die Herzverpflanzung als Behandlung der schweren Herzinsuffizienz“, erklären die Hamburger Kardiologen Wilfried Rödiger und Peter Kalmar von der Abteilung für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Universität. Die beiden Gelehrten verschweigen auch nicht ihren Eindruck, daß die Eingriffe häufig „weniger dem Wohl des Patienten als der Imagepflege des Instituts dienen“. Besonders schwerwiegend ist dieser Vorwurf, weil ihn mit Peter Kalmar ein Chirurg – Rödiger ist Internist – erhebt, also gegen eigenes, wiewohl falsch verstandenes Berufsinteresse.