Von Peter Schmitz

DUISBURG. – Wer empfindet nicht Trauer, wenn aus Somalia die Bilder verhungernder Menschen in unsere Wohnzimmer flimmern? Im Abspann sehen wir dann die Kontonummern der Hilfsorganisationen. Katastrophen öffnen das Herz und das Portemonnaie. Die Medienrealität zeigt auch: Am härtesten trifft es immer die Kinder – wehrlos, schutzlos, hilflos.

In unserem Alltag sind wir weniger empfindlich. Da spazieren wir gedankenlos über den von Kinderhand geknüpften Orientteppich, legen achtlos den Reisekatalog für Lustgreise nach Manila beiseite, bleibt unser Ärger über die Agrarsubventionen auf die persönlichen Folgen für unser eigenes Portemonnaie begrenzt.

Der Blick für die „normale Not“ der Kinder wird durch die Katastrophenbilder verstellt:

  • 40 000 Kinder sterben täglich an Unterernährung und Krankheiten,
  • 153 Millionen Kinder haben Gesundheitsschäden und Wachstumsstörungen,
  • 103 Millionen Kinder zwischen sechs und elf Jahren gehen nicht zur Schule,
  • 80 Millionen Kinder zwischen zehn und vierzehn Jahren werden durch Kinderarbeit in ihrer Entwicklung beeinträchtigt,
  • 30 Millionen Kinder leben auf der Straße.

Die Schicksale hinter den Zahlen: ausgediente Kindersoldaten, die durch Äthiopien ziehen; Straßenkinder, die in Rio de Janeiro von Killerkommandos gehetzt werden; Arbeitsknechte, die in Indien Teppiche knüpfen; Mädchen und Jungen, die für eine Mahlzeit ihren Körper verkaufen. Diese Kinder brauchen nicht so sehr Mitleid, sie brauchen eine faire Chance.

Gegen die Alltagsnot arbeiten Hilfswerke wie Unicef, Terre des Hommes und Kindernothilfe mit Projekten wie der Tagesstätte in Soweto bei Johannesburg, dem Rehabilitationszentrum für poliokranke Kinder in Melukavu, Indien, dem Projekt für Straßenkinder in São Paulo, Brasilien. Seit vielen Jahren werden solche Projekte aufgebaut und unterhalten, die für viele Kinder und Jugendliche eine Existenzgrundlage legen: Sie werden ernährt, medizinisch betreut, bekleidet und können zur Schule gehen – nicht selten mit anschließender Berufsausbildung.