KOPENHAGEN. – Alle blicken am kommenden Sonntag entweder bangend oder hoffend nach Paris. Werden die Franzosen die Maastrichter nen? Als ob allein die französische Volksabstimmung für die Zukunft der Verträge und damit für Europa entscheidend wäre.

Die Öffentlichkeit übersieht ein kleines Problem. Der dänische Außenminister Uffe Ellemann-Jensen hat es vergangene Woche angesprochen: „Die Maastrichter Vereinbarungen können einfach aus dem Grunde nicht umgesetzt werden, weil Dänemark nein gesagt hat“, warnte er auf der Europa-Konferenz in London.

Zugegeben, es wirkt ein bißchen befremdlich, wenn 5 von 340 Millionen EG-Bürgern die europäische Einigung aufhalten wollen. Dennoch – alle zwölf Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft müssen Maastricht Gemeinschaft nicht nur Frankreich, Deutschland und allenfalls noch Großbritannien, Spanien und Italien. Auch Premierminister John Major meinte, daß alle Länder die Sache noch einmal überdenken sollten. Und zwar nicht nur, wenn am Wochenende ein non obsiegt, sondern deswegen, weil ein nej bereits gesagt wurde.

Gewiß, das politische Zentrum in Europa liegt nicht in Kopenhagen. Das geben wir Dänen zu – wenn auch ungern und trotz Fußball-Europameisterschaft. Aber das Prinzip „Ein Land, eine Stimme“ liegt uns doch sehr am Herzen. Deswegen darf am nächsten Montag der Himmel nicht voller gelber EG-Sterne hängen, selbst wenn die Franzosen darauf verzichten, mit einem Nein zu Maastricht ihrem Präsidenten Mitterrand eins auszuwischen.

Ellemann-Jensen hat nur gesagt, was im Kopenhagener Folketing (Parlament) und in der dänischen Bevölkerung empfunden wird: Solange es keine Lösung mit Dänemark gibt, tritt Maastricht nicht in Kraft, und schon gar nicht wie vorgesehen zum 1. Januar 1993. Deswegen werden Kohl und Mitterrand gemeinsam mit allen übrigen Regierungschefs spätestens auf dem bevorstehenden EG-Gipfel in Edinburgh zeigen müssen, daß sie Dänemark nicht links liegenlassen wollen.

Einen ersten Vorgeschmack des dänischen Selbstbewußtseins hat Bundeskanzler Kohl schon bekommen. Den Bonner Vorschlag, Dänemark eine Denkpause zu genehmigen, während alle anderen in Richtung Währungs- und Politischer Union weiterschreiten, lehnt Ellemann-Jensen ab.