Rohrkrepierer

Schadenfreude ist die schönste Freude – und so konnten Amerikas Republikaner kaum an sich halten, als der demokratische Präsidentschaftskandidat Bill Clinton seinen militärischen Sachverstand bewies: Das amerikanische Volk habe gesehen, wie „Patriot-Raketen durch Türen und Schornsteine hindurch“ ihr Ziel fanden. Ein böser Rohrkrepierer – Patriots, das weiß jedes Schulkind in den Vereinigten Staaten, holen irakische Scud-Raketen vom Himmel und kommen niemals durch Schornsteine. Blitzschnell wie eine Anti-Raketen-Rakete schoß Vizepräsident Dan Quayle, Stellvertreter des Oberbefehlshabers im Golfkrieg, zurück: „Clinton kennt nicht einmal den Unterschied zwischen einer Patriot und einer Cruise Missile Sorry, Dan, das ist auch falsch. Hier die Auflösung für alle gegenwärtigen und zukünftigen Präsidentschaftskandidaten: Nur lasergesteuerte Bomben und Raketen (sogenannte smart bombs finden ihren Weg durch Türen und Schornsteine – wenn’s denn so wichtig ist.

Friedensbringer

Nach langen Diskussionen endlich in den Busch: Japan schickt acht Soldaten als UN-Waffenstillstandsbeobachter nach Kambodscha. Sie tragen die ersten japanischen Blauhelme; insgesamt sollen 1800 von ihnen die Friedenstruppen in Kambodscha verstärken. Im Juni hatte ein Gesetz die Grundlage für solche Einsätze geschaffen – mit der Einschränkung, daß dort, wo Japaner stationiert werden, Waffenstillstand herrschen muß. Bleibt zu hoffen, daß die immer noch nicht entwaffneten Roten Khmer die japanische Gesetzeslage respektieren.

Schulreformer

Der böse Bube in Mexikos Geschichte erhält spätes Lob – ausgerechnet in einem neuen Schulbuch für 9- bis 12jährige. Bisher nämlich galt Porfirio Diaz als Diktator und Ausverkäufer mexikanischer Interessen an die Vereinigten Staaten – 1910 gestürzt durch die glorreiche Revolution. Jetzt sollen die Lehrer das Bild von einem Diaz vermitteln, der Mexiko modernisierte und für den Weltmarkt öffnete. Welch ein Zufall: Fast gleichzeitig haben sich Amerika, Kanada und Mexiko geeinigt, bis 1994 die Freihandelszone Nafta zu errichten. Mexikos Schüler erfahren auch zum erstenmal von einem Massaker der Armee an mehreren hundert Studenten 1968. Innenminister war damals Luis Echeveria, der später als Präsident eine gegen Washington gerichtete Politik vertrat. Schön, wenn die historische Wahrheit auch noch einen politischen Dienst tut.