Damit öffnet sich eine breite Spielwiese für die Anleger. Im klassischen Fall wird die Anleihe mit allen Zinskupons erworben, die Zinsen fließen also regelmäßig Jahr für Jahr. Der Kurs des Papiers richtet sich nach den aktuellen Kapitalmarktzinsen. Klettert das Zinsbarometer, geht der Anleihekurs zurück und umgekehrt, wobei angesichts der langen Laufzeit von zwanzig Jahren durchaus mit größeren Schwankungen zu rechnen ist. Der Anleger kann aber auch die Anleihe ohne die Zinskupons erwerben: Damit bekommt er für beispielsweise 2400 Mark eine klassische Nullkupon-Anleihe, die in zwanzig Jahren für 10 000 Mark eingelöst wird. Es winkt mithin vierfaches Geld, jedoch muß wegen der fehlenden laufenden Verzinsung mit überproportionalen Kursschwankungen im Fall von veränderten Kapitalmarktzinsen gerechnet werden.

Ähnlich ist es bei den einzelnen Zinsscheinserien: Auch hier handelt es sich um nichts anderes als um Zerobonds, wobei der Anleger aus zwanzig verschiedenen Laufzeiten wählen kann. Damit eignen sich die Zinskupons trefflich zum Aufbau einer Altersvorsorge. Der Anleger kauft Serien mit Fälligkeit zum voraussichtlichen Rentenbeginn, möglich ist auch eine Staffelung etwa mit fünfjährigem Zeitunterschied.

Und schließlich sichert das komplette Bündel der Zinsscheine eine laufende Rentenzahlung. Gegen einen Einmalbetrag von 7700 Mark bekommt der Anleger Jahr für Jahr 800 Mark ausgezahlt – und dies zwanzig Jahre lang mit schöner Regelmäßigkeit zum 1. Juni. Das Zinsbündel stellt mithin eine recht interessante Alternative zu einer privaten Rentenversicherung oder dem Entnahmeplan eines Investmentkontos dar. Nach Fälligkeit des letzten Zinsscheins sind die Zahlungen jedoch endgültig abgeschlossen.

Debattiert wird noch um die steuerliche Behandlung der einzelnen Kreationen. Eindeutig ist, daß ein Käufer der Anleihe mit allen Zinsscheinen alljährlich acht Prozent versteuern muß. Eindeutig erscheint auch die Steuerpflicht beim Zerobonds sowie bei den vergleichbaren Zinsscheinen im Falle des einzelnen Erwerbs. Nach den Bestimmungen für Nullkupon-Anleihen unterliegt die Emissionsrendite der Besteuerung, Käufer müssen beim späteren Verkauf oder bei Fälligkeit eine Rendite von 7,87 Prozent versteuern – unabhängig von dem tatsächlich erzielten Ertrag.

Umstritten ist jeoch die Behandlung im Falle des Verkaufs allein der Zinsscheine. Nach Auskunft der Metallbank muß der Erlös – im ungünstigsten Fall – entsprechend versteuert werden. Darin liegt jedoch eine gewisse Ungerechtigkeit. Einerseits hat der Anleger beim Verkauf – zum Beispiel nach einem Jahr – auch nur einen Zinsanspruch für ein Jahr, andererseits soll er den gesamten Zinsertrag für die folgenden neunzehn Jahre ebenfalls versteuern. Das Geschäft rechnet sich also allenfalls dann, wenn hohe Verluste in anderen Bereichen – etwa aus einem Gewerbebetrieb – den Ertrag weitgehend kompensieren. Der Anleger hat sich dann ein für allemal seiner Steuerpflicht entledigt, die Anleihe selbst ist jetzt für ihn steuerfrei.

Manche Experten gehen nun davon aus, daß im Falle eines Verkaufs während der Laufzeit eine rückwirkende Aufsplittung in Anleihe und Zinskupons vorzunehmen ist und beide Teile als Zerobonds zu behandeln sind. In diesem Fall wäre also analog zu den Regelungen beim Zerobonds regelmäßig die Emissionsrendite von 7,87 Prozent zu versteuern. Andere Experten sehen indes eine Steuerpflicht generell nur bei den Zinsscheinen, während Kursveränderungen bei der Anleihe in jedem Fall steuerfrei bleiben sollen. Abzuwarten bleibt also letztlich die endgültige steuerliche Regelung. Sicher ist allein, daß sie gefunden wird – und zumindest bis dahin haben die Anleger eine muntere Spielwiese mit unterschiedlichen Möglichkeiten. Solidus