Sicher wie in Abrahams Schoß“ überschrieben wir einen „Brief“ von Klaus Harpprecht an eine Vietnamesin in Amerika, die sich ängstlich fragt, ob sie ihren Sohn noch in der Bundesrepublik studieren lassen könne ( ZEIT Nr. 39/1992). Dieser Artikel hat in vielen unserer Leserinnen und Leser blanken Zorn geweckt. So schreibt uns Johannes Rux aus Berlin unter anderem:

„Selten habe ich mich über einen Text so geärgert! Kann es denn möglich sein, daß jemand, der die letzten Jahre der Bundesrepublik miterlebt hat, so blauäugig den Ernst der Lage verkennt? Die terroristischen Gewalttaten gegen Ausländer nehmen seit über einem Jahr kontinuierlich zu. In diesem Zusammenhang von ‚einigen Nächten der Aufwallung‘ zu schreiben läßt vermuten, daß die Nachrichten über diese Verbrechen bislang Klaus Harpprecht nicht erreicht haben. In Rostock war auch keineswegs nur ‚eine Handvoll mißgeleiteter Burschen‘ zugange: Ist denn schon vergessen, mit welcher Begeisterung die Anwohner eine Art Volksfest veranstalteten, als die Molotowcocktails flogen? Ich kann nicht nachvollziehen, wie man die Brandanschläge auf Wohnungen für Asylbewerber oder andere Ausländer als ‚ungebärdig‘ bezeichnen kann.“

Reinhold Gärtner aus Innsbruck findet: „Wer sich von Ihrem Artikel Verständnis für Mord und Ausländer-Verbrennen erhofft, der wird nicht enttäuscht. Wer sich aber Verständnis für die Lage der von Mord und Verbrennen direkt Bedrohten erwartet, der schon.“

Carsten Schapkow, Berlin: „‚Mit deutschem Wesen verträgt sich Feigheit nicht?‘ – eine Feststellung Ihrerseits, die ich mehrmals lesen mußte, um sie begreifen zu können. Indes, es gelang mir nicht. In welchen kritischen Situationen unserer Geschichte, denn Sie und ich scheinen dieselbe zu haben, hat der ‚männlich-menschliche Instinkt‘ uns als Deutsche veranlaßt, ‚die Partei der Schwachen zu ergreifen?‘ Ist die Shoah von diesem kritischen deutschen Geist des Humanismus verhindert worden, von den Söhnen und Töchtern eines Goethe oder Schiller? Welche Minister waren vor Ort, die Gewalttaten zu entkräften? Von Pogromen sind die Ausschreitungen nur durch die Tatsache zu unterscheiden, daß die tonangebenden Politiker in Deutschland sich die Äußerungen der Extremisten nicht auf ihr Banner schreiben.“

Eben.

Klaus Harpprecht ist der bösartigen Realität im neuen Deutschland mit einer Satire zu Leibe gerückt. Darf man das? Katja Jakob aus Berlin zum Beispiel meint: „Ihre Satire auf die beschämenden Beschwichtigungsversuche, die sträflichen Verharmlosungstaktiken, garniert mit einem völlig deplazierten nationalen Pathos, bei gleichzeitiger Verniedlichung berechtigter Sorgen der Betroffenen, die hierzulande und heutzutage von vielen Politikern und rechtschaffenen Bürgern in Reaktion auf die beispiellosen Ausbrüche von Haß und Gewalt gegen Ausländer praktiziert werden, ist gelungen. Sie haben das so überzeugend formuliert, daß ich es fast ernst genommen hätte.“

Oder Meike Schade aus Wedel: „Dem Verfasser ist für diesen brillanten Artikel zu danken und seinen Lesern zu wünschen, daß sie die Ironie zu würdigen wissen. Erste Gespräche unter Freunden zeigten, daß leise Verunsicherung vorherrscht: Ironie – ja oder nein?“ DZ