Da sind große Fragen und kleine, wichtige und belanglose, dumme und schlaue. Und es gibt die eine, die wesentliche, die existentielle, die Legionen von Philosophen fast den Verstand gekostet hat, unzählige Menschen zur Verzweiflung treibt und manches Kaninchen immer wieder an den Anfang zurückwirft: Was und wer und wieso und überhaupt bin ich?

Mit diesem brisanten Thema schockt der Beltz-Verlag in diesem Bilderbuchherbst das junge Bilderbuchpublikum. „He Duda“ lautet der verheißungsvolle Titel der brillanten Abhandlung des Engländers Jon Blake.

Oh, ein Kaninchen, ist man versucht, noch auf Seite eins auszurufen. Und dann sieht man das ratlose Kerlchen und liest das trostlose Sätzchen: „He Duda wußte nicht, was er war.“ Und man folgt He Duda durch den Wald voller Fragen: Ist er Affe, Schwein oder Koalabär? Soll er in einer Höhle, einem Nest oder im Spinnennetz wohnen? Ißt man besser Fisch, Kartoffeln oder Würmer? Und wozu, verdammt, sind die langen Füße da?

All diese existentiellen Fragen hat Axel Scheffler aufs Wesentliche reduziert und in große und kleine Bildtafeln umgesetzt. Kein verschwenderisches Dekor, keine effektvollen Details behindern die Zweck- und Daseinssuche, wichtig bleibt immer He Duda, die weißen Knopfaugen bohrend ins Leere blickend, He Duda, die braunen Löffel schwungvoll ins Nichts werfend.

Wie es weitergeht? Gemein wie im Leben und gewürzt mit dem Humor Jon Blakes. Kaum hat He Duda sich auf Eichhörnchenart eingerichtet – auf einem Baum und Eicheln knabbernd –, da schleicht sich schon der erste Störenfried an.

Doch wie, bitte, soll He Duda wissen, daß Lange Luda ein Wiesel ist und am liebsten ... jawohl, Kaninchen frißt und sagt es auch, und endlich weiß He Duda, was er ist und wozu er lange Füße hat und wie er damit Lange Ludas in die Luft schleudern kann. Die anderen Kaninchen feiern ihn und feiern ihn und rufen: „He Duda, du bist ein Held!“ Ein Held? Und doch kein Kaninchen?

He Duda steht wieder am Anfang – wie das mit existentiellen Kaninchenfragen eben so geht.