Böse Menschen singen keine Lieder, wird sich auch Verteidigungsminister Volker Rühe gedacht haben, als er sich niederließ, wo man singt – beim „Berliner Männerchor Carl-Maria von Weber Förderverein e.V.“ Aus seinem Etat, Kapitel 1402, „Allgemeine Bewilligungen“, Titel 53999-032, „vermischte Verwaltungsaufgaben“, finanziert Rühe den Chor mit einem Betrag von drei Millionen Mark. Dieser Chor vereint die Sangesbrüder der ehemaligen NVA, die dem Genossen Erich Honecker früher gern mal ein Ständchen gebracht haben. Spitzen Zungen zufolge soll man vorzugsweise jene Passagen aus Webers „Freischütz“ vorgetragen haben, die dem schwarzen Jäger Samiel beim Gießen seiner Teufelskugeln gewidmet sind. Weshalb der ehemalige NVA-Chor in Bonn so viel Geld lockermachen konnte, mochte man im Bonner Verteidigungsministerium nicht kommentieren. Allerdings hat sich auf der Hardthöhe schon mancher gefragt, „wie die das geschafft haben“. Vermutlich sitzt in der Haushaltsabteilung noch immer ein Maulwurf der ehemaligen Nationalen Volksarmee. Mit Musik-Zugaben finanzieller Art ist Bonn nämlich ansonsten nicht gerade großzügig. Der Musikzug Hermeskeil des Technischen Hilfswerks zum Beispiel bekommt für seine Aufgaben bei der zivilen Verteidigung der Republik nur bescheidene 5000 Mark.

Das Zutrauen des Bundesrechnungshofes zu Postminister Christian Schwarz-Schilling hinsichtlich seines ökonomischen Sachverstands war nie sonderlich groß, wie eine ganze Reihe von Gutachten und Prüfberichten zur Post während der Schwarz-Schlling-Ära belegen. Jetzt bescheren ihm die Frankfurter Pfennigfuchser, wie man die Rechnungsprüfer gelegentlich zu Unrecht tituliert, neuen Ärger. Nachdem die Post ihre Unternehmensbereiche neu geregelt hat, könnte auch das Ministerium etvas schlanker organisiert werden, meint der Rechnungshof. Aus den fünf Abteilungen, jeweils von einem Chef im Rang hochbezahlter Direktoren oder Dirigenten geleitet, könne man leicht vier machen, empfehlen die Gutachter dem Haushaltsausschuß des Bundestages. Auch sei die Anzahl der Referate zu aufgebläht; statt der vorhandenen 58 reichten 42 völlig aus. Schwarz-Schilling wies das Ansinnen aus Frankfurt zwar zurück. Doch der Haushaltsausschuß, in dem der Postminister nicht die besten Freunde hat, wird sich nur zu gern über die Empfehlung aus Frankfurt hermachen und Schwarz-Schilling mit dem Rotstift Mores lehren.

Finanzstaatssekretär Joachim Grünewald sieht keinen Grund, die Qualifikation von Erhard Bredenbreuker, Direktor bei der Berliner Treuhandanstalt, anzuzweifeln. Der SPD-Abgeordnete Gunter Weißgerber hatte wissen wollen, ob in Bonn bekannt sei, daß Bredenbreuker früher Immobilienmakler bei der Hamburger Firma Horst F.G. Angermann war, und ob diese Maklertätigkeit den Treuhand-Direktor für seine jetzige Tätigkeit ausgerechnet im Spezialmaschinenbau qualifiziere. Grünewald dementierte auf seine Weise, daß Bredenecker Immobilienmakler gewesen sei. Er sei vielmehr Geschäftsführer der Firma gewesen, die sich mit der Beratung beim Verkauf von Unternehmen beschäftige, allerdings – und dann kommt es doch noch heraus – „auch mit Immobilienberatung- und -verkauf“. Weißgerber will sich mit dieser Antwort nicht zufriedengeben, sondern weiter nachhaken, zumal ihm Informationen darüber vorliegen, daß Bredenbreuker noch immer einen engen Draht zu seiner früheren Firma haben soll, die großes Interesse an Immobilien und Ostfirmen der Treuhand hat. Ein Schelm, wer sich dabei Böses denkt. Wolfgang Hoffmann