Die Literaturbeilage dieser Ausgabe enthält leider ein Versäumnis. Unsere Leser haben den legitimen Anspruch, von ihrer Redaktion einen Überblick über die deutsche Literatur dieses Herbstes zu erhalten. Natürlich hat diese Redaktion, die ihre Nächte im Dienst der deutschen Literatur dieses Herbstes zum Tag macht, den Überblick. Aber im Trubel der letzten Tage ist er uns abhanden gekommen. Fragt bloß nicht, wie.

Die Lage zwingt uns, einen Blick in die FAZ zu werfen, die es, wie in keinem Herbst, nicht versäumt, ihre Leser über die deutsche Literatur in diesem Herbst zu unterrichten. Sarah Kirsch, so die FAZ, veröffentlicht Gedichte, „die ihren Ruf, die bedeutendste deutschsprachige Lyrikerin der Gegenwart zu sein, noch einmal befestigen werden. Eine sanfte Abkehr vom Hermetismus spürt man in diesen Texten und eine Melancholie, für die man in der Weltliteratur schwer einen Vergleich findet.“

Thomas Hettche wiederum „hat einen Text vorgelegt, der von einem geradezu emphatischen Literaturverständnis zeugt“. Darin finden sich „Stellen von außerordentlicher poetischer Kraft“. Was Hettche betrifft: „Hier könnte einmal ein sehr substantielles und überaus neuartiges Werk entstehen.“

Norbert Gstrein „gilt als eine der großen Nachwuchshoffnungen der deutschen Literatur. Den formalen Experimenten Thomas Hettches entsprechen die erzählerischen Versuchsanordnungen Norbert Gstreins. Beide gehen mit dankenswerter Ernsthaftigkeit zu Werke.“

Das ist nicht alles. Es gibt, sagt die FAZ, „eine große Überraschung“ in diesem Herbst. Was? Wer? „Davon an anderer Stelle mehr.“ Wo? Wann? Zwei Tage später meldet die FAZ: „Unsere morgen erscheinende Literaturbeilage wird eröffnet mit einem Tribunal gegen den Generalsekretär.“ Ende der Durchsage. Wer? Wie?

Advent, Advent! Moment mal. Wir haben zwar keinen Überblick, und Überraschungen liegen uns fern, aber noch ist nicht aller Nächte Morgen. In dieser Minute schicken wir ein Fax an den Generalsekretär, c/o „Literatur in diesem Herbst“, Kennwort „Überblick“. Wortlaut: „... bieten wir Ihnen hiermit unsere Spalten an, Widerspruch gegen das ‚Tribunal‘ einzulegen. Honorar freibleibend.“ Das sitzt. Das wird die „große Überraschung“ in diesem Herbst. Venceremos, liebe Leser!

Ihr Finis