Apretty presentation ... very fine indeed", Lord Brounckers Kennerauge war entzückt, als man ihm Wenzel Hollars Stadtansicht zeigte. Zu beneiden, dieser Howard of Arundel, dachte er im gleichen Augenblick, der sich diesen Böhmen aufgelesen hatte, um ihn seine Kunstsammlung reproduzieren zu lassen. Eine erlesene Kollektion, zweifellos, berühmt weit über Englands Grenzen hinaus. Und immer wieder bewies dieser Arundel sein feines Gespür für Talente.

Im Jahr 1636 brach Wenzel Hollar mit dem Earl of Arundel nach England auf, der zwar in einer diplomatischen Mission auf dem Kontinent gescheitert war, dafür aber um eine Kunstbeute reicher, eben diesen famosen Radierer. Seinem Böhmen haftete der Ruf an, "Genauigkeit und Künstlerschaft" auf das Geschickteste vereinigen zu können. Schimären und Phantasiegebilde waren nicht seine Sache. Wenn jemand exakte Wiedergabe wollte, so hieß es, geh zu Hollar. Wenn jemand perfektes Handwerk suchte, Genauigkeit, Genialität in der Nachahmung, empfahl man ihm Hollar.

Er stand in dem Ruf, nicht nur ein begabter Zeichner zu sein, sondern ein virtuoser Handwerker, was in einer Zeit, die in der Kunst nicht nur auf Originalität setzte, hoch bewertet wurde. Während andere ihre radierten Kupferplatten in ein Säurebad tauchten, umgab er die mit weichem Firnis abgedeckten Kupferplatten mit einem wächsernen Steg und füllte dann die Säure auf. Die Flüssigkeit ließ er später durch ein Loch am Rand wieder abfließen. Ein Verfahren, bei dem er die Dauer des Einwirkens auf einzelne Stellen fein abgestuft manipulierte.

Genau so jemanden, der Gemälde nicht nur nach ihrem Motiv reproduzierte, sondern der den Malduktus eines Leonardo oder Rubens nachempfinden und in ein anderes Medium übertragen konnte, brauchte der Earl. Sein Glück, daß dieser geschickte Mann noch ungebunden war. Kein Verleger, keine Frau, keine Konfession hielt ihn in Köln.

29 Jahre alt war Wenzel Hollar, als er nach England ging. Die Arbeiten aus der Zeit in Deutschland, den Jahren, die er in der rheinischen Handelsmetropole verbrachte, sind jetzt Gegenstand einer Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum.

"Gentilhomme" Wenzel Hollar, wie er in der Unterzeile eines Portraits genannt wird, der Sohn eines böhmischen Landadeligen, war 1607 in Prag geboren worden. Wann genau und wie er nach Köln gelangt war, ist ungewiß. Jedenfalls hatte er es vorgezogen, den Rekatholisierungsanordnungen der habsburgischen Besetzer auszuweichen und 1627 Böhmen verlassen. In Köln fand er bedeutende Verleger wie Abraham Hogenberg und Gerhardt Altzenbach. Hier machte er sich in der schon längst arbeitsteiligen Graphikproduktion als Radierer einen so guten Namen, daß er in den Titelzeilen der Kupferstiche und Radierungen genannt wurde: "Wenceslaus Hollar fecit". Karten, Ansichten, religiöse Andachtsblätter, Trachtenbilder (ein ganzes Bändchen, das "Reisbüchlein", voll), Titelkupfer und Illustrationen: Er radierte, was die Zeitgenossen an Neuigkeiten wollten oder fürs Seelenheil brauchten, was auf dem Graphikmarkt Geld brachte.

Nicht Genialität, keine üppigen Szenen, keine technische Erneuerung machten Gentilhomme Wenzel Hollar über die Jahrhunderte berühmt. Das war in Köln natürlich seine große Stadtansicht, ein grandioses, von bis zu sechzehn Platten gedrucktes Panorama. Erst Jahre, nachdem er Köln verlassen hatte, wurde es veröffentlicht, dann immer wieder bis ins 18. Jahrhundert hinein. Der schlaue Geschäftsmann Gerhardt Altzenbach dedizierte es 1656 dem Kölner Rat, strich dafür zwölf Reichstaler Weihnachtsgabe ein und erreichte obendrein, daß seinem Enkel die Gebühren für die Qualifikation zur Bürgerschaft erlassen wurden. Noch im 19. Jahrhundert gehörte die gewaltige Fleißarbeit aus Häusern, vielen Kirchen und Stadttoren, Schiffen auf dem Rhein, Spaziergängern vor den Mauern und mikroskopisch kleinen pflügenden Bauern zum Wandschmuck braver Bürgerstuben.